Es ist schon ein wenig verrückt, wie dieses Programm beginnt. Die Zuschauer im Magdeburger Kabarettlokal "…nach Hengstmanns" finden sich unversehens in der Rolle der Akteure wieder. Bernd Kurt Goetz nämlich kommt auf die Bühne als Zuschauer. Er setzt sich und erwartet in aller Ruhe den Vorstellungsbeginn. Das Publikum guckt sich um und kichert.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Es wäre ja wunderbar, meint der Solozuschauer, wenn ein Programm so verhalten beginne und nicht etwa mit Krawall und polternden Pointen. Pointen aber kommen dann doch, wenn auch nicht polternd. Der Zuschauer auf der Bühne nämlich kommt ins Plaudern, erzählt, dass er gerade Ausgang habe und eigentlich Patient einer Irrenanstalt sei. Er fühle sich ein wenig wie in einer modernen Oper, wo es auch häufig auf der Bühne und im Orchestergraben viel mehr Personen gäbe als im Zuschauerraum, aber der Trend gehe eindeutig zum Zweitzuschauer.

Er wäre zwar nur allein in seiner Sitzreihe, aber wer weiß denn, wie viele er in Wirklichkeit sei. Nach 20 Jahren Einheit habe man immer wieder gesagt, dass "wir doch froh sein sollten, dass wir nicht mehr zwei Meinungen auseinanderzuhalten bräuchten, die offizielle und die private.

Er fühle sich aber doch als mindestens zweigeteilter Mensch. Zum einen und vor allem als umworbener Konsument, der nur darauf sinnt, Geld zu verdienen und auszugeben und zum anderen als der gute Mensch, der sich engagiert, an der Demokratie teilnimmt und ehrenamtlich arbeitet. Sein besseres Ich kam nun auch auf die Bühne in Gestalt des Teddybären Dr. Goetzel.

Aber das Ehrenamt sei sehr undankbar. Dafür gäbe es nur einen Händedruck, und wenn die Mittel knapp seien, dann steigt die Ehre. Die Persönlichkeitsspaltung freilich habe ihn in die Irrenanstalt gebracht.

Bernd Kurt Goetz gelang es fast ausschließlich durch seine Plauderei, die nur gelegentlich durch sehr witzige und gekonnte Spielereien aufgelockert und unterstrichen wurden, fast 60 Minuten lang, seine Spieler im Zuschauerraum in Atem zu halten.

Er hat einen Kabaretttext erfunden, der ebenso tiefsinnig und geistreich ist wie amüsant-unterhaltsam. Dies war zwar bereits in früheren "Goetzenbildern" zu sehen und zu hören, aber diesmal gelang es besonders intelligent und subtil, zumal der Kabarettist und Philosoph sich jeglichen Klamauks enthalten hat.

Und dies gilt auch für den zweiten Programmteil, in dem er seinen vogtländischen Bruder Hartmut spielt, dessen Lebensphilosophie geradlinig und direkt ist, aber nicht weniger tiefsinnig.

Hartmut trainiert zweimal wöchentlich auf dem Fußballplatz, was ihm jedes Mal zwei Tage am Rollator einbringt, so dass er auf eine Sechs-Tage-Arbeitswoche kommt, und dies nur, um den Aufstieg von Erzgebirge Aue in die 1. Bundesliga zu befördern. Da Fußball ein Leben füllendes Thema ist, handelt auch Hartmut die ganze Welt mit Höhenflügen und Tiefschlägen ab.

Auch hier erweist sich Goetz als höchst intelligenter Kabarettist und Vollblutkomödiant und auch dies ohne Klamauk hinreißend. Der Fußballer Hartmut wird noch einen Überraschungsgast empfangen, aber das wird nicht verraten. Man sollte hingehen, vor allem deswegen, weil dieser "Hauch von Idiotie" das beste Soloprogramm von Bernd Kurt Goetz der vergangenen Jahre geworden ist. Die nächsten Aufführungen sind am kommenden Sonnabend, 15 Uhr und 19.30 Uhr, und dann wieder am 13. Februar um 17 Uhr.