Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Die Landeszentrale für Politische Bildung hat zum 20. Einheitsjubiläum eine Fotoausstellung zusammengestellt, in der Sachsen-Anhalt seit 1990 im Spiegel der Pressefotografie zu sehen ist. Es ist eine Wanderausstellung, die in den vergangenen Wochen im Landesfunkhaus zu sehen war und nun durch weitere Städte Sachsen-Anhalts reisen wird. (Genaue Termine stehen noch nicht fest.)

Das gleiche Thema hat auch die Gruppe stattGeflüster, das sind Martin Rühmann, Gesang, Gitarre, Texter und Komponist, Warnfried Altmann, Saxofon, Gören Eggert, Percussions und Ludwig Schumann, der das Programm schuf, die meisten der Texte schrieb und als Rezitator und Sprecher mitwirkt, in ihrem neuen Programm aufgegriffen.

"Das Volk, meine Schwiegermutter und ich" heißt die gesungene, erzählte, musizierte und gedichtete Rückschau auf die vergangenen zwei Jahrzehnte, die am Mittwoch im Elbfoyer des MDR-Landesfunkhauses Premiere hatte.

Im vergangenen Programm hatte stattGeflüster noch einmal die DDR-Jahre aufgegriffen und Lieder und Texte, die bis 1990 entstanden. Jetzt beginnt das Programm im Jahr 1990. Die "Freiheit" (Georg Danzer) im Zoo, wo sie sich eingesperrt sogleich verflüchtigt, ist der Auftakt.

Geschichten und Lieder aus der ersten Nachwendezeit erzählen von Neuorientierung in verschiedenen Richtungen, aber auch von den Widersprüchen aus Hoffnungen und Ängsten.

Die Musik gibt Pausen zum Nachsinnen

Die Geschichten zeigen die mit Illusionen gesättigte Stimmung der Zeit, aber ganz ohne Pathos ist dies nicht gelungen, und man fühlt sich beim Zuhören in eine heute schon fremde Vergangenheit versetzt.

Interessant, wie etwa Martin Rühmann aus Rilkes Gedicht "Der Panther" ein Lied macht, das genau, wie auch der Blues auf einen Text von Friedrich Schorlemmer, Assoziationen an die Wendezeit weckt und nachdenklich macht. "Es ist anstrengend", heißt es bei Schorlemmer, "mündig zu sein."

Auch die Stimmungen der 2000er Jahre finden ihren Platz. "Es hat alles seine Zeit" singt Rühmann, ein lyrisches Lied, das man öfter hören möchte. Zum Zuhören ist das ganze Programm, denn Rühmann, Eggert und Altmann sind ausgezeichnete Musiker. Blues- und Jazzimprovisationen sind zu hören, feine Klangfarben, von denen der Percussionist die wundersamsten hervorbringt.

Aber zum Zuhören sind auch die Texte. Die werden nämlich zunehmend frecher, je näher die Gegenwart rückt. "Meine Schwiegermutter und ich" ist ein Dialog von Ludwig Schumann, in dem eine sehr kluge alte Dame auftaucht, welche spitz und treffend die Übel der Zeit kommentiert.

Die Musik inzwischen lässt dem Zuschauer Pausen zum Nachsinnen. Das Programm hätte genau davon noch etwas mehr vertragen und vielleicht etwas weniger vom "Volk", aber sehens- vor allem hörenswert ist dieses (statt)Geflüster auf alle Fälle.