Die großen Museen wollen die Massen 2011 wieder mit alten Meistern ködern. Außerdem gibt’s viel Gerhard Richter. Das Kunst-Ereignis des kommenden Jahres findet in London statt. Die National Gallery zeigt die umfassendste Gemälde-Ausstellung zu Leonardo da Vinci.

Von Christoph Driessen

Berlin (dpa). Wobei man sich da allerdings keine endlosen Korridore mit Bildern vorstellen darf: Das gesicherte Gesamtwerk besteht aus 14 Gemälden, nebenbei musste das Universalgenie ja auch noch Panzer und Flugmaschinen erfinden.

Doch gerade weil die Zahl so klein ist, gilt die Londoner Ausstellung als Mega-Event. Leihgaben sind bereits zugesagt aus der Eremitage in St. Petersburg, dem Louvre in Paris und den Vatikanischen Museen. Die "Mona Lisa" wird allerdings nicht rausgerückt. Termin: 9. November 2011 bis 5. Februar 2012.

Im eigenen Land kann eine Renaissance-Ausstellung auf der Berliner Museumsinsel schon jetzt Blockbuster-Status beanspruchen: Im Bode-Museum sind vom 25. August bis zum 20. November 2011 "Gesichter der Renaissance" zu sehen. Die Schau mit über 150 Porträts von Antonello da Messina bis zu Sandro Botticelli wird von der Berliner Gemäldegalerie und dem New Yorker Metropolitan Museum of Art gemeinsam gestaltet.

Der Vorverkauf von Sondertickets hat im August bereits begonnen.

Ein mit Spannung erwartetes Ereignis ist die Wiedereröffnung des Frankfurter Städel im Herbst. Die Sammlung wird im renovierten Altbau neu präsentiert, dazu kommt ein 30 Millionen Euro teurer unterirdischer Erweiterungstrakt für die Kunst nach 1945. Zum Auftakt gibt’s "Beckmann und Amerika" (7. Oktober 2011 bis 8. Januar 2012) über die bedeutenden letzten Schaffensjahre des in New York gestorbenen Künstlers und seine "Idee von Amerika".

Die Kunsthallen in Bonn und Hamburg erarbeiten gemeinsam eine große Max-Liebermann-Ausstellung. Die Retrospektive wird neben rund 100 Gemälden und Papierarbeiten auch Werke der Künstler vereinen, die Liebermann inspirierten, darunter Frans Hals und Adolph Menzel. Die Schau ist vom 21. April bis zum 11. September in Bonn und dann vom 14. Oktober 2011 bis zum 19. Februar 2012 in Hamburg zu sehen.

In der Hypo-Kunsthalle in München startet im September 2011 "Dürer – Cranach – Holbein. Die Entdeckung des Menschen: Das deutsche Porträt um 1500" (16. September 2011 bis 15. Januar 2012).

Ungefähr zur selben Zeit (12. Oktober 2011 bis 15. Januar 2012) stellt die Alte Pinakothek Pietro Perugino vor, einen Zeitgenossen von Leonardo da Vinci. Die alten Meister eben.

Tierstillleben zeigen "Schönheit und Tod"

Für die wohl wichtigste Ausstellung zu einem deutschen Künstler der Gegenwart muss man den Flieger nach London nehmen: Die Tate Modern zeigt vom 6. Oktober 2011 bis zum 8. Januar 2012 eine große Retrospektive zu Gerhard Richter, der seit langem in allen Rankings als einer der einflussreichsten Künstler weltweit gilt. Die Ausstellung in der Tate soll chronologisch nach den wichtigsten Schaffensperioden seiner Laufbahn gegliedert sein. Der letzte Abschnitt besteht aus neueren Arbeiten, darunter das Gemälde "September 2005", das das Terrorattentat vom 11. September thematisiert.

Daneben gibt’s Richter auch zweimal in Hamburg: Das Bucerius Kunstforum zeigt "Gerhard Richter. Bilder einer Epoche" (5. Februar bis 15. Mai). Parallel präsentiert die Hamburger Kunsthalle "Unscharf nach Gerhard Richter" (11. Februar bis 22. Mai). Das Stilmittel der Unschärfe zieht sich durch das gesamte Schaffen des Künstlers, dessen Werke regelmäßig für Millionenbeträge versteigert werden.

Das Rijksmuseum in Amsterdam hat den Deutschen Anselm Kiefer eingeladen, mit einem eigens geschaffenen Werk auf Rembrandts "Nachtwache" zu reagieren. Vom 6. Mai an bis einschließlich Juni wird beides einander gegenübergestellt. Das Besondere an der "Nachtwache" ist, dass Rembrandt die Mitglieder einer Schützengilde dort als dynamische Gruppe darstellte und nicht als eine Ansammlung von Einzelporträts.

Neben all den großen Events findet sich abseits der Metropolen manch überraschende Idee. So begutachtet das Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum vom 2. Oktober 2010 bis zum 29. April 2012 mehr als 200 Schädel- und Kopftrophäen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen; die Leihgaben kommen aus aller Welt.

Ähnlich morbide ist eine Ausstellung, die die Staatliche Kunstsammlung Karlsruhe für dieses Jahr plant – der Titel lautet "Von Schönheit und Tod – Tierstillleben von der Renaissance bis zur Moderne". Ohne Ende tote Rehe, Schwäne und Fasane.