"Frauenherz", so heißt eine Polka op. 166 von Josef Strauss, dem jüngeren Bruder von Johann Strauss jun., – und diese Polka wurde zum Motto des Neujahrskonzertes der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, mit dem die Schönebecker Musiker im gesamten Salzlandkreis und zweimal im Tolbergsaal des Kurparks von Schönebeck Salzelmen ihr Publikum schwungvoll ins neue Jahr begleitet haben.

Von Liane Bornholdt

Schönebeck. Am 14. Januar werden auch die Magdeburger im Gesellschaftshaus die Gelegenheit haben, das Neujahrskonzert zu erleben. Bevor die namensgebende Polka erklang, begann das Konzert am vergangenen Freitag mit der Ouvertüre zu Franz Lehárs Operette "Wiener Frauen". Diese Operette ist ein Frühwerk des Komponisten, und sie trägt auch unüberhörbare Züge der Militärmusik. Lehár war jüngster Militärkapellmeister der K.u.k.-Armee. Aber Lehárs Genialität zeigte sich vor allem in einer genialen Verschmelzung verschiedenster musikalischer Einflüsse, und gerade dieser Vielschichtigkeit und Farbigkeit konnte das Schönebecker Orchester unter Generalmusikdirektor Christian Simonis sehr überzeugend darstellen. Das zeigte sich auch bei den folgenden Strauss-Polkas, deren unterschiedliche Charakteristika von der Polka française ("Die Kokotte") über die Polka Mazur ("Frauenherz") zur Schnellpolka ("Plappermäulchen") sehr schön deutlich wurden.

Zu einem zünftigen Neujahrskonzert gehören auch Arien und Lieder. Der Gesangssolist bei dem Schönebecker Konzert war Michael Zabanoff, ein Gast, der bei zahlreichen Schönebecker Sommeroperetten am Bierer Berg schon längst die Herzen des Publikums erobert hat.

Auch bei diesem Neujahrskonzert war der Tenor sogleich Publikumsliebling. Er versteht es auf unvergleichliche Weise, mit jedem Lied und jeder Arie die Geschichte der ganzen Operette zu erzählen und die Zuhörer zu fesseln. "Dunkelrote Rosen" brachte er als Gasparone (Carl Millöcker), und er schwärmte "Dein ist mein ganzes Herz" aus "Land des Lächelns" und überzeugte mit "O Mädchen, mein Mädchen, wie lieb ich Dich!" aus "Friederike" (Franz Lehár). Schließlich weckte das wunderbar schmachtend-melancholische "Grüß mir die süßen, die reizenden Frau’n" aus Emmerich Kálmáns "Gräfin Mariza" Erinnerungen an sommerlichen Operettenzauber.

Viel Beifall für fröhliche Abendmusik

Der Name Kálmán taucht im Programm noch weitere Male auf. Zum einen mit der sehr schwung- und temperamentvollen Ouvertüre zur "Csárdásfürstin", aber zuvor schon mit einer "Serenade für Tamara". Diese hat der Sohn von Emmerich, Charles Kálmán, 2010 für die Kammerphilharmonie komponiert, und sie erlebte in diesem Konzert ihre Uraufführung. Charles Kálmáns Serenade ist ein sehr heiteres Werk, das einen fröhlichen Tanzabend musikalisch besingt, einen lustigen Abend, in dem parodistische Reminiszenzen an die Operetten- und Tanzmusik des vergangenen Jahrhunderts zu erleben sind, die frisch und mit jazzigen, ja popmusikalischen Elementen verwoben sind. Es gab außerordentlich viel Beifall für diese fröhlich-freche Abendmusik.

Das Schönebecker Orchester bewies ein weiteres Mal, dass ihm gerade die anspruchsvolle Unterhaltungsmusik sehr gut liegt. Es spielte sehr schön schwungvoll, allerdings in dem kleinen und akustisch nicht idealen Tolbergsaal auch ein wenig zu spritzig, denn namentlich die hohen Lagen neigen in dem Saal dazu, leicht ein wenig spitz und grell zu klingen. Ein wenig mehr Zurückhaltung hätte angebracht sein können, eine kleine und durch die ansteckende Musizierfreude verzeihliche Schwäche, an die bei der letzten Zugabe, natürlich dem Radetzkymarsch, keiner mehr denken mochte.