"Man sieht sich", eine Floskel aus dem Alltagsleben, steht als Titel über einer neuen Ausstellung mit Zeichnungen und Aquarellen des Magdeburger Künstlers Rudolf Pötzsch. So, wie der Künstler die Themen für seine oft aphoristisch-anekdotischen Zeichnungen im Alltag findet, so sucht er seine Motive für die Aquarelle in der alltäglichen Natur, die aber immer auch etwas Besonderes sein kann.

Magdeburg. Etwa 50 Blätter breitet Rudolf Pötzsch in den Räumen der Galerie im ersten Stock in Wernigerode aus. Zu seinen fast 20 – teilweise großformatigen – Zeichnungen gruppiert er Aquarelle, die auf Reisen entstanden, beispielsweise nach Israel, in die bulgarischen Rhodopen oder an den Indischen Ozean. Auch in seiner näheren Umgebung an der Elbe fand er Motive. Und schließlich regte ihn noch die Straße der Romanik zu Arbeiten an.

Die Aquarelle könnten für viele Kunstfreunde eine Überraschung sein, denn zumeist ist Pötzsch öffentlich mit seinen gesellschaftskritischen Zeichnungen im großen Format hervorgetreten und auch bekannt geworden. Da sind seine großen, bitteren Rötelzeichnungen wie "Nichts geht ohne Flügelschlag" oder "Nun flieg schon" (beide 2005), in denen er möglichen menschlichen Absturz behandelt, leicht angelehnt an die immer noch gültige Sage vom Ikaros und seinem unbändigen Willen, fliegen zu dürfen und damit frei zu sein.

Pötzsch erinnert in seinen Zeichnungen eher daran, welchen Preis der Sagenheld zahlen musste und mahnt die Menschen heute. Die titelgebende Zeichnung "Man sieht sich" zeigt einen Narren, in der bildenden Kunst oft als Symbol des Künstlertuns verstanden, in dessen Spiegel das Porträt des Magdeburgers Zeichners zu erkennen ist. Auch Picasso hat sich selbst als Harlekin gemalt …

Aus ähnlicher Haltung entspringt auch "Selbst mit Brille, Doppelkinn und Kontenklärung" (2005). Trotz der diffizilen Zeichnung gerät in dem Blatt "Er war eine ganz große Nummer" (1999) die manieristisch gezeichnete Figur fast zur Karikatur zwischen all den Seifenblasen, die noch platzen müssen. Pötzsch findet immer Symbolhaftes mit dem er die Menschenwelt interpretiert.

Als Pötzsch sich 1975 in Magdeburg in der Klubgalerie erstmals als junger Künstler vorstellte, fiel auch seine Darstellung eines zersplitterten Baumes auf. Dieses Thema des Werdens und Vergehens hat er immer wieder aufgegriffen und verdichtet und seine neuen Aquarelle, darunter "Alte Bäume" (2007), erinnern daran. Die Aquarelle "Trockener Fluss" (2007) und "Steinbruchsee" (2007) sind sehr zarte und feinsinnige Blätter, die ihren eigenen Gegensatz in kraftvollen, fast eruptiven Arbeiten wie "Abendhimmel" finden.

Auch solche Blätter zeigen, wie die ganze Ausstellung, wie sehr verwurzelt der Künstler seit 37 Jahren in Magdeburg und in der die Stadt umgebenden Landschaft ist und wie er seine eigenen Themenkreise immer wieder aufs Neue ausschreitet.

1992 hatte Pötzsch schon einmal seine Arbeiten in Wernigerode gezeigt. Es war lohnend und überfällig, ihn erneut vorzustellen.

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