Dieter Kosslick hält sich mit Yoga fit. Zehn Tage lang ist der Berlinale-Direktor im Dauereinsatz. Zur Eröffnung der Filmfestspiele begrüßt er heute die legendären Regiebrüder Joel und Ethan Coen sowie Oscar-Anwärter Jeff Bridges auf dem roten Teppich.

Berlin (dpa). Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hat sich ein Hotelzimmer mit Blick auf den roten Teppich am Potsdamer Platz reserviert. Die meiste Zeit wird er aber selbst darauf stehen und vor dem Festivalkino Stars wie Vanessa Redgrave, Kevin Spacey, "Precious"-Darstellerin Gabourey Sidibe, Jeremy Irons, Harry Belafonte und Liam Neeson begrüßen.

Zum Start der 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin (10. bis 20.2.) kommen heute die amerikanischen Regiebrüder Joel und Ethan Coen, Oscar-Anwärter Jeff Bridges und die Hollywoodschauspieler Josh Brolin und Hailee Steinfeld.

Sie zeigen vor den 1600 Gästen im Berlinale-Palast ihren bereits für zehn Oscars nominierten Western "True Grit". Der außer Konkurrenz laufende Film ist ein Remake von "Der Marshall" (1969) mit John Wayne. Erzählt wird von der Farmerstochter Mattie (Steinfeld), die den starrsinnigen und versoffenen Marshall Rooster Cogburn (Bridges) bittet, zusammen mit ihr den Mörder (Brolin) ihres Vaters zu finden. Brigdes wurde für seine Rolle für einen Oscar als bester Hauptdarsteller, die 14-jährige Steinfeld als beste Nebendarstellerin nominiert.

Knapp 400 Filme aus 58 Ländern zeigt das größte Publikumsfestival der Welt dieses Mal. Im Rennen um den Goldenen Bären sind 16 Filme, 13 von ihnen feiern auf der Berlinale ihre Weltpremiere.

Zwei Deutsche haben Bären-Chancen. Dokumentarfilmer Andres Veiel ("Black Box BRD") erzählt in seinem Spielfilmdebüt "Wer wenn nicht wir" die Vorgeschichte der RAF. Ulrich Köhler ("Montag kommen die Fenster") zeigt das Drama "Schlafkrankheit" über europäische Entwicklungshelfer in Afrika.

Festivals buhlen um große Produktionen

Nicht Hollywood-Großproduktionen mit großem Starpotenzial, sondern Independentfilmer aus den USA, Europa und Lateinamerika bestimmen das Wettbewerbsprogramm. Für Festivalmacher ist es schwieriger geworden, spektakuläre Filme zu bekommen. Nicht nur die traditionellen Festivals Berlin, Cannes und Venedig buhlen um große Produktionen. Neben Sundance in den USA und dem Festival im kanadischen Toronto sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Filmfestspiele entstanden, unter anderem in Rom, Abu Dhabi, Doha, Dubai und Marrakesch – und anders als die Berlinale zahlen manche Festivals für den Auftritt von Schauspielern.

Zu den Stars der diesjährigen Berlinale zählt auch Popstar Madonna. Sie will vor einem ausgewählten, kleinen Kreis von Filmverleihern drei Minuten ihres zweiten Spielfilmprojekts "W.E." vorstellen. Darin geht es um die Liebe zwischen dem englischen König Edward VIII. und der Bürgerlichen Wallis Simpson. Noch ist aber unklar, ob Madonna einen öffentlichen Auftritt plant oder ihre Fans ihr vor den einschlägigen Luxushotels auflauern müssen. Über den roten Teppich schreiten dagegen die Oscar-Kandidaten Colin Firth und Helena Bonham-Carter, die in der Special-Reihe den Film "The King’s Speech" zeigen. Bei der Charity-Gala Cinema for Peace wird Hollywoodschauspieler Sean Penn ausgezeichnet.

Weniger glamourös geht es in den Filmen zu, die um den Berlinale-Bären konkurrieren. Viele schwere, düstere Stoffe sind im Programm zu finden. 25 Jahre nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobyl erzählt der russische Regisseur Alexander Mindadze in "An einem Samstag", wie junge Menschen den Tag der Katastrophe im April 1986 erlebten. US-Regisseur Joshua Marston ("Maria voll der Gnade") zeigt in "The Forgiveness Of Blood" die Folgen albanischer Blutrache.

Beim Regisseur wurde eingebrochen

Gabourey Sidibe spielt in "Yelling to the sky" die Anführerin einer brutalen Mädchengang. Im US-Börsenthriller "Margin Call" mit Kevin Spacey, Jeremy Irons und Demi Moore geht es um skrupellose Banker.

Noch mehr politische Brisanz hat Cyrils Tuschis Dokumentarfilm "Khodorkovsky" über den inhaftierten russischen Kremlkritiker Michail Chodorkowski bekommen, nachdem bei dem Regisseur eingebrochen und die Endfassung des Films gestohlen wurde.

Mit Sondervorstellungen zeigt die Berlinale Solidarität mit ihrem iranischen Jurymitglied Jafar Panahi. Der regimekritische Regisseur wurde in seiner Heimat zu einer Haftstrafe verurteilt und kann deshalb nicht nach Berlin reisen. Über die Bären-Gewinner entscheidet die internationale Jury unter Vorsitz von Isabella Rossellini.

In der Jury sitzt auch die deutsche Schauspielerin Nina Hoss. Panahis Platz wird symbolisch freigehalten.

 

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