Von Elke Vogel

Berlin (dpa). Starkes, wuchtiges Antihelden-Kino zum Auftakt der 61. Berlinale: Mit ihrem für zehn Oscars nominierten Western "True Grit" (Echter Schneid) haben die amerikanischen Regiebrüder Joel und Ethan Coen gestern abend die Internationalen Filmfestspiele Berlin (bis 20.2.) eröffnet.

Auf dem roten Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz waren neben den Coens die furios spielenden Hauptdarsteller fast komplett versammelt: Jeff Bridges, der für seine Rolle als versoffener, Waffen schwingender Marshall Cogburn für einen Oscar als bester Schauspieler nominiert ist.

Die erst 14-jährige Hailee Steinfield, die mit ihrem Spielfilmdebüt als eigensinnige Farmerstochter Mattie auf der Suche nach dem Mörder ihres Vaters Chancen auf einen Nebendarsteller-Oscar hat. Und Hollywoodschauspieler Josh Brolin, der den verschlagenen Mörder Chaney spielt, nach dem Mattie und Cogburn suchen. Nur Matt Damon, der als Ranger ebenfalls Jagd auf Chaney macht, fehlte. Er steckt mitten in neuen Dreharbeiten.

"True Grit" ist ein Remake von "Der Marshall" mit John Wayne, der 1969 dafür einen Oscar bekam. "John Wayne war erstklassig", räumte Bridges im dpa-Interview ein. Er habe aber "nicht eine Minute" an Wayne gedacht, als er vor der Kamera stand. "Ich messe mich nicht an anderen", sagte Bridges. "Ich fand es toll, mich in diese Zeit zurückzuversetzen. Die Dialoge haben mich begeistert, auch wenn die Sprache und der Slang nicht ganz einfach waren."

Der im Jahr 1872 im US-Staat Arkansas spielende Western ist kein typischer Coen-Film. Die sehr geradlinig erzählte, epische Geschichte ist trotz komischer Momente viel weniger zynisch und ironisch als frühere Coen-Werke. Nachdem Mattie den rüden Cogburn überredet hat, ihr bei der Mördersuche zu helfen, tauchen zwar alle typischen Western-Zutaten auf: Schießereien und brutale Kämpfe, Begegnungen mit Indianern, doch die Coens ("No Country for Old Men", "Burn After Reading") lassen dieses Mal echte Gefühle zu und auch ein bisschen Romantik und Poesie.

Zur Festivaleröffnung waren mehr als 1600 Zuschauer geladen, darunter die versammelte deutsche Filmprominenz und natürlich die internationale Jury mit ihrer Vorsitzenden Isabella Rossellini.