Die Filmwelt trauert um Bernd Eichinger. Der deutsche Produzent starb im Alter von 61 Jahren völlig überraschend in Los Angeles. Viele Filme tragen seinen Stempel. Bernd Eichinger war ein Vollblut-Filmemacher, der auch Risiken nie scheute.

Von Cordula Dieckmann

München (dpa). Sein Name ist verbunden mit Werken wie "Das Mädchen Rosemarie", "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" oder "Das Parfum". Er nahm unzählige Preise entgegen und sogar bei den Oscars fieberte er mehrfach mit – etwa als der Hitler-Film "Der Untergang" und das RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" für die Goldtrophäe nominiert waren.

Wer dem Münchner Produzenten begegnete, erlebte einen Filmbesessenen; einen, der die Arbeit an seinen Filmen mit vollem Herzen vorantrieb. In 30 Jahren produzierte Eichinger mehr als 70 Filme. Am Montagabend ist Eichinger im Alter von 61 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt gestorben – bei einem Abendessen in Los Angeles im Kreise seiner Familie und seiner Freunde.

Dass er so erfolgreich werden konnte, lag nicht zuletzt an seinem feinen Gespür für gute Stoffe und an seiner Leidenschaft. "Film, das war mein Leben", erinnerte sich Eichinger in einem Interview und beschrieb sich selber als "filmsüchtig".

Eine Obsession, die schon in den frühen 1970er Jahren begonnen hatte. Geboren in Neuburg an der Donau ging der streng katholisch erzogene Eichinger an die Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Seine Leidenschaft für die bewegten Bilder lebte er als Produzent, Drehbuchschreiber, Regisseur und sogar in einer kleinen Rolle als Schauspieler aus.

"Er hat etwas Maßloses", charakterisierte ihn einmal sein guter Freund und Regisseur Uli Edel. Eine Eigenschaft, die die Arbeit mit ihm nicht immer leicht machte, denn die Rolle des reinen Geldbeschaffers behagte ihm nicht. Er wollte künstlerisch mitarbeiten, den Filmen seinen Stempel aufdrücken, schrieb gerne selber an Drehbüchern mit, beteiligte sich an der Schauspielerbesetzung und war auch beim Filmschnitt dabei.

Doch seine vielen Erfolge gaben ihm Recht. Internationale Literaturverfilmungen wie "Der Name der Rose" waren auch an den Kinokassen ein Erfolg, ebenso wie die Kassenschlager "Der bewegte Mann" mit dem damals noch recht unbekannten Til Schweiger oder "Der Schuh des Manitu", mit dem Michael "Bully" Herbig seinen Kinodurchbruch feierte.

Dabei hätte manches schief gehen können angesichts von Eichingers Risikobereitschaft. 30 Jahre war er alt, als er die damals finanziell angeschlagene Verleihfirma Constantin Film übernahm.

Innerhalb weniger Jahre sanierte er das Unternehmen, durchlitt Höhen und Tiefen, hatte immer aber auch Zeit für die künstlerischen Aspekte seiner Arbeit. 2006 gab Eichinger seine Anteile endgültig ab, blieb Constantin aber weiter als Produzent erhalten.

Er gab wenige Einblicke in sein Privatleben

Wie leidenschaftlich Eichinger bei seinen Filmen war, zeigte vor allem "Der Baader Meinhof Komplex", bei dem Uli Edel Regie führte. "Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieser Film so mitnehmen, so angreifen würde", gestand er in einem Interview. Die Beschäftigung mit dem Stoff habe ihn plötzlich sehr traurig gemacht, er sei in eine regelrechte Depression verfallen. Doch dieses Tief habe ihn gestärkt. Auch sein nächstes Projekt wäre harte Kost geworden: Er wollte 2012 die Geschichte des österreichischen Entführungsopfers Natascha Kampusch ins Kino bringen.

Öffentlich gab sich Eichinger oft geheimnisvoll. Zwar ließ er sich auch gerne auf dem roten Teppich bei einer Filmpremiere blicken oder vergnügte sich beim Deutschen Filmball, gerne mit seiner Tochter Nina oder seiner Ehefrau, der Journalistin Katja Hoffmann. Gleichzeitig war er zurückhaltend und gab nur wenig Einblick in sein Privatleben.

Trotzdem umgab ihn immer eine Aura des Glamours – hübsche Frauen wie die Schauspielerinnen Hannelore Elsner, Barbara Rudnik, Katja Flint oder Corinna Harfouch standen ihm nahe. Mit Eichingers Tod hat Deutschland einen seiner berühmtesten Filmschaffenden verloren.