Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Es hieß, sie wären auf Abschiedstournee, The Three B’s des Traditional Jazz, Chris Barber, Mr. Acker Bilk und Kenny Ball, aber am Sonntagabend in der Stadthalle Magdeburg war davon nicht mehr die Rede. Chris Barber, der mit seiner Jazz and Blues Band den ersten Set des Abends spielte, bekannte gleich am Anfang: "Ich habe gar keine Idee davon, was eine Abschiedstour sein könnte." Gerade ist er neben den Auftritten mit seinen Jazz-Kollegen auf seiner Geburtstagstournee zum 80. "I can’t stop now" heißt sein neuer Titel.

Die drei Veteranen des Jazz kamen in wunderbarer Frische auf die Bühne, denn ihre Musik hat über 50 und mehr Bühnenjahre keinerlei Staub angesetzt und sich, trotz aller Traditionals, auch immer erneuert. Es ist schon eine besondere Kunst, einen jeweils besonderen ganz persönlichen und stets unverkennbaren Stil zu entwickeln und zu pflegen und dennoch diesen auch zu erneuern. Dies war in allen drei Sets zu hören, und es ist neben den exzellenten Großmeistern auch unüberhörbar das Verdienst der Musiker, die in den drei Bands mitspielen. In der Chris-Barber-Band etwa spielt als einer von drei hervorragenden Saxofonisten Richard Exall, der auf Bariton und Tenorsaxofon ebenso klangschön musiziert wie auf der Klarinette. An Sidney Bechets berühmtem Petite Fleur etwa war zu erleben, wie der Evergreen von 1954 in einer modernen Jazz-Version klingen kann, mit wunderbaren Soli, etwa einem auf der Gitarre (Joe Farler) und improvisatorischen Bläsersätzen.

Mr. Acker Bilks Paramount Jazz Band versteht es ebenfalls, die vielen, zum größten Teil sehr bekannten Titel von jeder musealen Patina zu befreien. Sie besticht so mit Lust zur Improvisation, mit Witz und viel britischem Humor, der für viel Stimmung sorgte. Sehr schön, wie der originale New-Orleans-Sound immer wieder neu erklingen kann, wie zeitlos-lebendig Blues und Swing immer wieder klingt.

Kenny Ball and his Jazzmen spielten zum Abschluss. Sie feierten gerade das 50. Bühnenjubiläum, und aus der Ursprungsband ist immer noch der Posaunist John Benett dabei, aber auch die jüngeren Spieler sind Spitzenmusiker, die den Kenny-Ball-Sound mit seiner Mischung aus Spritzigkeit und leisen Tönen wunderbar beherrschen. Alle drei Konzerte in einem fanden gleichermaßen Beifall.