Er drehte Propaganda-Filme für die DDR, aber auch bis heute bewegende Dramen wie "Ehe im Schatten" und "Das Kaninchen bin ich". Heute wird der Regisseur und DEFA-Mitbegründer Kurt Maetzig 100 Jahre alt.

Von Elke Vogel

Berlin (dpa). Kurt Maetzig hat DDR-Filmgeschichte geschrieben – im guten wie im schlechten. Von ihm stammen die monumentalen Thälmann-Propagandafilme. Zu seinen Werken zählen aber auch das von der SED verbotene Drama "Das Kaninchen bin ich" und der bis heute bewegende, wohl zu den besten DEFA-Produktionen zählende Film "Ehe im Schatten". Er habe sich mit seinem Schaffen immer der Wahrheit nähern wollen, sagt Maetzig, der seinen Geburtstag mit einem Film- und Diskussionsabend (28. Januar) im Filmmuseum Potsdam feiert.

Maetzigs erster Spielfilm "Ehe im Schatten" (1947) erzählt die dramatische und wahre Geschichte des Schauspielers Joachim Gottschalk und dessen jüdischer Ehefrau während der Nazi-Zeit. Die Tragödie war für Maetzig auch ein Stück Aufarbeitung eigener Geschichte. Die Nazis erteilten dem jungen Berliner Regie-Assistenten wegen seiner jüdischen Mutter Berufsverbot. Seine Deportation als "Halbjude" verhinderten einflussreiche Freunde. Maetzigs Mutter beging aus Angst vor der Gestapo Selbstmord. "Fast alles, was ich im Film "Ehe im Schatten" erzähle, erlebte ich im Umkreis meiner Familie und meiner Freunde", sagte Maetzig einmal. "Ich wollte den Opfern jener Epoche ein Denkmal setzen."

Maetzig trat 1944 in die illegale Kommunistische Partei ein. Nach Kriegsende zog er in den sowjetischen Sektor Berlins um und war dort einer der Gründer der Filmgesellschaft DEFA. Im Glauben an "die sozialistische Sache" stellte sich Maetzig mit seinen Propagandafilmen über den Kommunistenführer Ernst Thälmann (1954/55) oder mit "Schlösser und Katen" (1956) über die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft klar in den Dienst des SED-Regimes. "Septemberliebe" (1960) erzählt von einem Mädchen, das seinen Verlobten an die Volkspolizei verrät, als dieser nach West-Berlin fliehen will.

Maetzig galt als Paraderegisseur der DDR, bis auch er von der SED abgestraft wurde. Sein Liebesdrama "Das Kaninchen bin ich" wurde 1965 auf dem berüchtigten 11. ZK-Plenum zusammen mit fast einem ganzen Jahrgang von DEFA-Filmen verboten. Maetzig und andere Regisseure wie Frank Beyer wurden als "konterrevolutionär" und "staatsfeindlich" beschimpft.

"Das Kaninchen bin ich" erzählt von Maria, die nicht studieren darf, weil ihr Bruder Dieter wegen "staatsgefährdender Hetze" zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Zufällig lernt Maria den Richter Paul Deister (Alfred Müller) kennen, der Dieter aus Profilierungssucht zu der harten Strafe verurteilt hat. Maria und Paul verlieben sich ineinander. Maria zieht die Konsequenzen, als sie merkt, dass Deister ein feiger Opportunist ist. Nach dem Filmverbot übte Maetzig heftige "Selbstkritik", die er später bedauerte. "Das Kaninchen bin ich" kam erst 25 Jahre später in die Kinos.

Nach der Wende stellte sich Maetzig den Debatten zur DDR-Filmkunst. Ihm gehe es nicht darum, "Vergangenheit nachträglich zu retuschieren", wie er damals sagte. "Die Dinge sind, wie sie gewesen sind. Dazu stehe ich." Maetzig versuchte sich in zahlreichen Genres. Er drehte die Komödie "Vergesst mir meine Traudel nicht" (1957) und die erste DEFA-Science-Fiction-Produktion "Der schweigende Stern" (1960). Mit der Verantwortung des Wissenschaftlers bei der genetischen Forschung setzte er sich bereits Anfang der 70er Jahre in "Januskopf" auseinander.

23 Filme hatte Maetzig gedreht, als er sich – im SED-Staat eine eher unübliche Entscheidung – exakt mit dem Erreichen des Rentenalters in den Ruhestand schicken ließ. Seine Karriere endete mit dem wenig aufregenden Kriegs-Heimkehrer-Film "Mann gegen Mann". Zehn Jahre leitete er die Babelsberger Filmhochschule. Maetzig, viermal verheiratet und Vater dreier Kinder, lebt in Wildkuhl in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz ehrt ihr ältestes Mitglied mit einer kleinen Ausstellung.