Die Münchner Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation feiert seit 1997 jährlich Mozarts Geburtstag mit zwei Tagen voller Musik. Bisher waren Salzburg, Prag und Wien die Stationen dieses Festes, aber nun kam "toujours Mozart" nach Magdeburg in das Gesellschaftshaus.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. International bekannte Künstler musizierten am Wochenende gemeinsam mit Laienmusikern, Studenten und Musikschülern in zweimal zwölf Veranstaltungen sowie einem Sonderkonzert in der Telemann-Konzerthalle.

Welch ein Klang war dabei zu hören! Aus verschiedenen Räumen hört man Musik, ein paar Striche zum Einspielen aus dem Roten Salon, ein paar Läufe auf der Klarinette aus dem Grünen, und leise klingt das Es-Dur-Konzert für zwei Klaviere und Orchester von Mozart aus dem Gartensaal. Bald erklingt Beifall, die Türen öffnen sich, und einige der Zuschauer verlassen den Saal, denn drüben im Schinkelsaal werden The Groovy Jazz Kids aus Leipzig Jazz-Bearbeitungen von Mozart- und Bach-Werken spielen. Andere kommen, um "Exzentrisches in Sang und Klang" beispielsweise mit dem Altisten Daniel Lager und dem Pianisten Zvi Meniker am Hammerklavier zu erleben. Allmählich füllt sich auch die Cafeteria im Gesellschaftshaus, wo man beieinander sitzt, Zuschauer und Musiker, und über Musik, Kunst und Leben spricht.

Hier gab es am Sonntag vor allem ein Thema, das Sonderkonzert, das am Sonnabend in der nahezu ausverkauften Telemann-Konzerthalle alle Besucher begeistert hatte. Hinreißend, so wird erzählt, das so selten zu hörende Doppelkonzert für Cembalo und Hammerklavier von Carl Philipp Emanuel Bach, aber die eigentliche Sensation war der Neue Magdeburger Kammerchor unter der Leitung von Christian Hoffmann.

Der Chor, der erst seit September 2009 zusammen singt, war mit Mozarts "Ave Verum Corpus" KV 618 zu erleben –hinreißend, ja aufregend schön gesungen.

Nachher allerdings werden die Türen geschlossen, denn im Foyer davor nehmen drei Musiker, Anne Weber und Alexander Maschke, Violinen, und Joanna Kielar mit ihrem Violoncello Platz. Die drei Musiker aber sitzen ganz am Rande. Der Platz des hellen Foyers wird zu etwas anderem gebraucht. Eine Stunde lang wird Tanzmeister Jürgen Schrape jeden Tanzwilligen einen Tanz aus der Mozartzeit lehren. Am Sonntag spielen die drei Musiker eine Écossaise von Beethoven, und sechs Tanzpaare haben sich eingefunden. Écossaise ist ein Gruppentanz aus Schottland, der im 18./19. Jahrhundert zu den Gesellschaftstänzen gehörte, den die Jugend, vor allem die männliche, aus besserem Hause beherrschen musste.

Ein großes Vergnügen für die Besucher

Zuerst wird der springende Grundschritt geübt, nach rechts, nach links, vorwärts, rückwärts. Dann erklärt der Lehrer die Choreografien. Eine Chaussee kommt vor, Rondell und Arkaden, auch Bäume und Mühlen… Zuerst finden Jacken der Tänzerinnen und Tänzer ihren Platz am Türknauf, nachher muss auch das eine und andere Stiefelpaar weichen. Es ist eine sportliche, aber außerordentlich vergnügliche Angelegenheit, bis schließlich vier Strophen der Beethovenschen Écossaise erklingen und durchgetanzt werden. Der Tanzmeister, die drei Musiker, aber auch die Tanzschüler bekommen herzlichsten Applaus.

Applaus wie in der großen Oper bekamen auch ein Streichquartett und fünf Sänger im Gartensaal. Sie haben an den beiden Tagen Mozarts große Oper "Don Giovanni" aufgeführt.

Es gibt eine komplette Bearbeitung der Oper für Streichquartett, die in Auszügen zu erleben war. Eine eigensinnige, aber durchaus auch reizvolle Begleitung für die Sänger, Agnes Preis (Donna Anna) und Beate Gartner (Donna Elvira und Zerlina), Manuel König (Don Ottavio) sowie Thomas Lackinger (Don Giovanni und Masetto) und Benedikt Göbel (Leporello und Comtur). Mit einer wahrlich schauerlichen Höllenfahrt endete die "Oper im Taschenformat".

Bald endete auch das Ganze Mozartfest, das bei seiner Magdeburgpremiere ein großes Vergnügen für die vielen Besucher und damit auch ein Erfolg für die Veranstalter gewesen ist.