Die amerikanische Jugendbuchautorin Suzanne Collins hat mit den ersten beiden Bänden ihrer Trilogie "Die Tribute von Panem" Leser in 41 Ländern gewonnen. Jetzt ist der dritte Teil erschienen. "Flammender Zorn" hat bereits den Spitzenplatz der Bestsellerlisten erobert. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa äußert sich Collins (47) dazu, wie es zu der Bestsellerserie kam.

Frage: Was wollen Sie Ihren jungen Lesern durch die Trilogie vor allem näher bringen?

Suzanne Collins: Wenn ich mich auf einen Punkt beschränken muss, ist es dieser: Krieg ist der falsche Weg für uns Menschen, um Konflikte zu lösen. Die Geschichte hat uns gelehrt, Probleme gewaltsam anzugehen. Heute müssen wir umdenken: Durch die technischen Fortschritte und die Verbreitung von Waffen kann ein Krieg unseren Planeten so gut wie unbewohnbar machen. Um das zu verhindern, müssen sich alle beteiligen. Einer allein schafft es nicht. Ich hoffe auf die Evolution unserer Gesinnung. Das heißt, dass die Menschheit sich darauf einigt, friedliche Lösungen für ihre Konflikte zu finden.

Frage: Die Trilogie wird von der am Ende 17-jährigen Katniss in Ich-Form erzählt. War es schwer für Sie, sich in die Welt von Heranwachsenden hineinzuversetzen? Haben Sie Ihre eigenen Kinder um Rat gefragt?

Collins: Nein, mein Sohn (16) und meine Tochter (11) lesen die Bücher immer erst, wenn sie gedruckt sind. Was mich angeht: Ich empfinde meine Jugendjahre in der Erinnerung weitaus lebendiger als beispielsweise mein Alter in den Dreißigern. Ich glaube, dass es die Intensität der Teenager-Jahre ist, die sich so tief ins Gedächtnis eingräbt. Ich jedenfalls hatte keine Probleme, aus der Sicht von Jugendlichen zu schreiben.

Frage: Warum schreiben Sie für junge Leser und nicht für Erwachsene?

Collins: Ich finde jüngeres Publikum einfach spannender. Kinder und Teenager bilden sich erst noch ihre Meinung. Sie sind noch offen für eine Vielfalt von Ideen, während Erwachsene – ich selbst eingeschlossen – eher mit festen Ansichten an ein Thema herangehen. Außerdem schätze ich an jungen Leuten, dass sie so ehrlich sind. Sie halten ihr Urteil nicht zurück, ganz gleich, ob man es hören mag oder nicht. Wer als Schriftsteller Denkanstöße geben will, kann seine Leserschaft gar nicht jung genug wählen. Ich meine, dass junge Leser sich durch ein Buch schon früh mit Fragen beschäftigen können, mit denen sie später im wahren Leben konfrontiert werden. Ist das nicht ein sehr wertvoller Beitrag zu ihrer Entwicklung?

Frage: Ihr Vater war ein hoher Offizier und für die Nato tätig. Kann es sein, dass Sie als Kind am Tisch oft Gesprächen über Kriegsgefahren zugehört haben?

Collins: Mein Vater war nicht nur beim Militär, er war auch ein promovierter Politikwissenschaftler. Er hat unter anderem in der Militärakademie West Point Geschichte, Philosophie und Politik gelehrt. Es lag ihm ganz besonders am Herzen, seinen vier Kindern zu erklären, was Kriege auslöst, was in einem Krieg passiert und welche Folgen er haben kann.

Frage: Waren Sie schon einmal in Deutschland?

Collins: Ja, ich habe während der Schulzeit vier Jahre in Belgien gelebt. Das war von meinem 12. bis zu meinem 16. Lebensjahr. Von Brüssel sind wir über die Schule ständig zu Wettkämpfen nach Deutschland gefahren, einfach mal so zwölf Stunden für ein Volleyballspiel nach Bremen. Auch mit meiner Familie war ich viel in Deutschland: Ein wunderschönes Land.

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