Vom 25. Februar bis zum 13. März findet das 19. Kurt-Weill-Fest in Dessau-Roßlau und der Region statt. Unter dem Motto "Berlin im Licht" eröffnet es für die kommenden Festivaljahre einen Städte-Dreisprung zu den wichtigsten Lebensstationen des Komponisten (1900-1950). Die gute Nachricht: Noch für (fast) alle Veranstaltungen gibt es Karten.

Von Helmut Rohm

Berlin/Dessau-Roßlau. Mehr als 50 Veranstaltungen mit mehr als 140 internationalen Künstlern und an 21 Spielorten machen des Programm des 19. Kurt-Weill-Festes aus. Erstmals lädt es über einen Zeitraum von 17 Tagen in Weills Geburtsstadt Dessau und die Region ein.

"Einen Dialog ermöglichen, der über die reine Wahrnehmung von Kunst und Musik hinausgeht", möchte Festivalintendant Michael Kaufmann.

Er setzt auf Städteporträts, die mit Weills Leben und Wirken Weills verbunden sind. Nach Berlin, Paris und New York wird er das Publikum in den nächsten drei Festivaljahren entführen.

In Kooperation mit dem Anhaltischen Theater Dessau präsentiert das Festival zur Eröffnung ein Operndoppel. In der Inszenierung von André Bücker und unter der musikalischen Leitung von GMD Antony Hermus kommen Kurt Weills 1926 sehr erfolgreich uraufgeführte Oper "Der Protagonist" und Leoncavallos "Der Bajazzo" auf die Theaterbühne. Zwei Werke, die beide ins Milieu von freien Schauspiel- und Komödiantentruppen führen.

Ausstatter Oliver Proske macht neugierig auf "ein Bühnenbild, das für beide Stücke zunächst exakt dasselbe sein wird und sich daraus entsprechend der jeweiligen Handlung verändert". Eine "Wunderkiste", die "noch ein paar Überraschungen" bereithält.

Überraschende Begegnungen macht das Kurt-Weill-Fest 2011 ebenso mit dem international gefeierten Ensemble "Modern" möglich. Als Artist-in-Residence wird es in einem Festivalcafé und drei Konzerten zu erleben sein.

"Das bietet uns die Chance, uns sowohl in der großen als auch in der kammermusikalischen Besetzung zu zeigen. Das hat man nicht häufig", sagt Ueli Wiget, Pianist beim Ensemble Modern. Und er freut sich, dass mit dem Festival-Thema, das auch dem Abschlusskonzert den Titel gibt, "unsere 1989 eingespielte ,Berlin im Licht‘-Aufnahme eine Neuauflage bekommt". Wieder wird Dirigent, Solist und Multitalent HK Gruber das Ensemble Modern im Abschlusskonzert leiten. Mit ihm sind wie mit Sängerin Salome Kammer und dem Jazzposaunisten Nils Landgren weitere ehemalige Residence-Künstler erneut im Programm des Kurt-Weill-Festes zu erleben. Das bietet in seiner Vielseitigkeit die Gelegenheit zu ganz besonderen Entdeckungen.

Darunter eine Uraufführung, die auf der Bauhaus-Bühne sowohl in Abendveranstaltungen als auch in einer Vormittagsvorstellung für Familien zu erleben sein wird. 96000 Einzelbilder brauchte Lotte Reiniger für ihren Scherenschnitt-Film "Die Abenteuer des Prinzen Achmed", den 1926 erstaufgeführten überhaupt ersten abendfüllenden Trickfilm. Die Tonspur des Films ist verloren gegangen. Die Kurt-Weill-Gesellschaft hat deshalb einen Kompostionsauftrag an den französischen Musiker und Komponisten Renaud Garcia-Fons erteilt. Er wird auch selbst in Dessau musizieren.

Eine spannende Wiederentdeckung bietet das Ensemble der Staatsoperette Dresden mit seinem Programm "Leben in dieser Zeit". Die Lyrische Suite in drei Sätzen mit Texten von Erich Kästner und der Musik von Edmund Nick entstand 1925 als Radiomusik für das gerade sechs Jahre alte Medium und feierte bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten große Erfolge.

Das Festivalbudget von 560 000 Euro ist, so Intendant Kaufmann, "exakt dasselbe wie in den vergangenen Jahren, obwohl wir eine Woche länger sind". Etwa 40 Prozent der Finanzierung werden durch Sponsoren und private Förderer möglich.

www.kurt-weill-fest.de