Burt Reynolds hat nichts ausgelassen. Er war Hollywoods Topverdiener, Nackt-Star, Pistolenheld, Frauenschwarm und totgesagter Darsteller. Mit 75 Jahren mischt der Schnauzbartträger immer noch mit.

Von Barbara Munker

Los Angeles (dpa). Als Hollywoods früheres Sexsymbol kassiert der längst ergraute Burt Reynolds mit Plaudereien aus seinem turbulenten Leben immer noch ab. 50 Dollar Eintritt legten die meist weiblichen Fans Mitte Januar für Reynolds’ "One Man Show" in einem Theater in Florida hin, wo der Schauspieler an drei Abenden "auspackte".

Ob er auch über Skandale wie seine frühere Medikamentensucht sprechen werde, fragte eine Reporterin vom Onlinedienst "tcpalm.com" vorab. Sorry, no. "Ich habe nicht vor, über all den alten Mist zu reden. Man muss Dinge hinter sich lassen, alter Junge", sinnierte Reynolds.

Der Schauspieler, der am 11. Februar 75 Jahre alt wird, gibt sich immer noch als strahlender Charmeur, mit Schnauzbart, rotem Halstuch und grauem Toupet. Er scherzt über die lädierten Knochen, eine Spätfolge der vielen Stunts, die er früher alle selbst riskierte. Im vorigen März riss er nach einer schweren Bypass-Operation sofort Witze. Er habe nun einen "großartigen Motor mit brandneuen Leitungen" ließ Reynolds damals durch seinen Sprecher ausrichten. Im Jahr zuvor hatte sich Hollywoods Stehaufmännchen nach einer Rückenoperation einer Reha-Behandlung unterzogen, um seine Medikamentensucht in den Griff zu bekommen.

Reynolds Karriere ist ein filmreifes Wechselbad. Als Sohn eines Polizisten wurde er im US-Bundesstaat Georgia geboren. Als eine Knieverletzung seine angehende Karriere als Profi-Footballer beendete, schwenkte er in Florida auf Schauspielerei um. Sein leicht exotisches Aussehen – seine Großmutter war eine Cherokee-Indianerin – brachte ihm zunächst kleine Rollen in TV-Western ein. Doch erst als er sich hüllenlos zeigte – 1972 erschien er in der Zeitschrift "Cosmopolitan" als erster Mann nackt und ausklappbar – wurde er schlagartig zu Hollywoods neuem Sexsymbol.

Das Harter-Kerl-Image festigte er im gleichen Jahr mit dem Action-Thriller "Beim Sterben ist jeder der Erste" über eine Wildwasserfahrt, die zum Höllentrip wird. Kurz darauf bewies er in der Woody-Allen-Satire "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten" Humor. Der Action-Streifen "Ein ausgekochtes Schlitzohr" machte Reynolds Mitte der 70er Jahre zum Multimillionär.

Doch dann ging es mit seiner Karriere langsam bergab. Film-Flops, eine längere Krankheit, hinter der die Boulevardpresse fälschlicherweise Aids vermutete, und schließlich die schlagzeilenträchtige Scheidung von der platinblonden Kollegin Loni Anderson setzten ihm zu. Nach einem bitteren Rechtsstreit um Alimente-Zahlungen für einen Adoptivsohn meldete Reynolds 1996 mit mehr als zehn Millionen Dollar Schulden Bankrott an.

"Es gibt leider noch keine Preise in Hollywood für die größten Idioten", machte sich Reynolds einmal in der Larry-King-Talkshow über seine Fehler bei der Rollenwahl lustig. Einen James-Bond-Auftrag hatte er ausgeschlagen, Han Solo in "Star Wars" gefiel ihm nicht, ebenso wenig wie die Rollen in "Einer flog über das Kuckucksnest" und "Zeit der Zärtlichkeit". In den letzten beiden Streifen sprang Jack Nicholson ein und holte sich zwei Oscars.

Durch "Striptease" (1996), in dem sich Demi Moore auszog und Reynolds einen lüsternen Politiker mimte, wurden die Kritiker wieder auf den totgesagten Schauspieler aufmerksam. Und spätestens seit "Boogie Nights" (1997) ist er nicht mehr zu bremsen. Zunächst gefiel er sich an der Seite von Mark Wahlberg in der Rolle eines Pornofilm-Produzenten nicht. Erst als begeisterte Kritiken, eine Oscar- Nominierung und eine Golden-Globe-Trophäe kamen, feierte auch Reynolds sein großes Comeback mit.

Seither steht er regelmäßig vor der Filmkamera. In "Ein Duke kommt selten allein" war er als Bösewicht Boss Hogg auf der Leinwand zu sehen. In der Adam-Sandler-Komödie "Spiel ohne Regeln" gab Reynolds als Coach das Kommando an. Für Regisseur Sönke Wortmann und Produzent Til Schweiger trat er 2001 in "Der Himmel von Hollywood" und "Auf Herz und Nieren" vor die Kamera. Mit Sylvester Stallone gab er in der Rennfahrer-Story "Driven" Gas.

Der deutsche Action-Regisseur Uwe Boll setzte ihn in der Videospielverfilmung "Schwerter des Königs – Dungeon Siege" (2007) als König ein. In dem Drama "All In – Alles oder nichts" (2008) glänzte Reynolds als alter Poker-Profi, der einen jungen Spieler aufbauen will.

Manche Sachen müsse man einfach nur lang genug behalten, witzelte Reynolds einmal über sein Comeback – "dann sind sie wieder gefragt, so wie ich"