Sie wurden gespannt erwartet in der Sudenburger Feuerwache, Tabea und Tobias Wollner; und sie kamen zunächst zum gemeinsamen "Warten auf…". Samuel Becketts Theaterstück "Warten auf Godot" wurde zum Stichwortgeber für das neue Programm.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Um das Warten sollte es aber dann doch kaum gehen. Denn das Chanson-Duo hielt sich nicht auf mit den virtuosen Künsten des Wartens und seinen teils lapidaren, teils tiefsinnigen existenziellen Fragen. Beide gingen sogleich zur Sache, und diese Sache waren Lieder, Pop- und Rocksongs seit den frühen 70er Jahren, die ihnen und dem Publikum die Wartezeit füllten.

Beim genaueren Hinhören allerdings erwies sich, dass eben diese Lieder doch weitgehend eben genau das ausdrücken, was von Beckett bereits zwei Jahrzehnte zuvor in seinem absurden Theater gezeigt worden war, teils Lapidares, teils Tiefsinniges, Variationen eines ziel- und auch ein wenig hoffnungslosen Daseins, gleichwohl die Schöpfer dieser Songs das nicht unbedingt beabsichtigten.

Als Geschichte trägt diese Nicht-Geschichte das Programm aber doch nicht, wohl aber das musikalische Spiel von T&T Wollner. Sie haben ihre Lieblingspopsongs ausgegraben, für sich arrangiert und vor allem ins Deutsche übersetzt, zum Teil nach- und umgetextet, vor allem Billy Joel, aber auch Sting oder gar ABBA.

Von Letzteren haben sie den Song "Chiquitita" zu neuem Leben erweckt, und siehe da, die Besungene mutierte zur Zicke, die sich wütender Konkurrenz ob ihrer verschwenderischen Schönheit ausgesetzt sieht. Eine wunderbare Parodie ist entstanden, mit der richtiges Leben in die anfangs noch etwas gedämpfte Wartegemeinde einbrach.

Die sonst so treffsicher eingesetzte Satire ist rar

Davon hätte man sich noch viel mehr gewünscht, aber die in anderen Programmen der Wollners so treffsicher eingesetzte Satire, ihre hohe Kunst der Parodie bleibt im neuen Programm leider die rare Ausnahme. Zu sehr ließen sich beide hinreißen von den schönen alten, allerdings vielen einander so sehr ähnlichen Liedern.

Was unter den differenzierten Originalsounds sich verbergen lässt, zeigte sich bei den Klavierarrangements deutlich. Die melodisch-harmonische Substanz dieser Lieder ist eher bescheiden, und sie widersetzen sich hartnäckig dem Versuch, aus ihnen richtige Chansons zu machen. Tabeas wunderbare und wandlungsfähige Kontraaltstimme hilft und bezaubert auch – die Mühe, mit allerlei Instrumentarium, Akkordeon und Blockflöten, Trommel und sogar einer schnarrenden Tröte, Vielfalt zu erzeugen, weniger.

Bleiben die deutschen Texte. Sie sind für alle, die englischsprachige Songs nicht verstehen, oder auch für die, die alle Songtexte kennen und die Erweiterungen und Umdichtungen von Tabea Wollner und Peter Hofmann entdecken, das Interessanteste. Hier entstanden doch einige kleine Geschichten, mal Poetisches, mal auch nur Sentimentales, vieles, zum Rahmenthema passend, vom Verlassensein, Verlassenwerden, unerfüllter Sehnsucht, von Streit oder Wehmut, Schlagertexte eben.

Dass das Gesamtprogramm aber doch schön wurde und herzlichen Beifall bekam, liegt natürlich zuerst daran, dass Tabea und Tobias Wollner ausgezeichnete Musiker und ausdrucksstarke Sänger sind und wunderbar spielerisch mit allen Details umgehen. Zum anderen bringt es für alle Freunde der Popmusik eine Wiederbegegnung, im Einzelnen auch in durchaus reizvollem und überraschendem Gewande, mit einer Reihe beliebter und bekannter Songs.

So kann auch dieses T&T Wollner-Programm nur empfohlen werden. Die nächste Vorstellung in der Magdeburger Feuerwache ist für Donnerstag, den 14. April geplant.