Von Klaus-Peter Voigt

Magdeburg. Ein Mini-Jubiläum wurde auf Deutschlands einzigem fahrenden Theaterschiff gefeiert. Die fünfte Premiere in rund zwei Jahren gab es am Samstag auf der MS "Marco Polo". Das Konzept Reisen, Kultur und Essen im Dreierpack funktioniert. Im vergangenen Jahr mit dem Tourismuspreis von Sachsen-Anhalt ausgezeichnet, lockt es seine Gäste an. In den kommenden Monaten gibt es mindestens eine Vorstellung in der Woche.

"Songbankett im Elbebett" ist diesmal ein fast ausschließlich musikalisches Programm. Die "Nachtschwärmer" Ulrike Nocker, Matthias Krizek und Oliver Vogt bedienen sich dabei Ohrwürmern anderer Interpreten, die sie aufbereiten und ihr ganz eigenes Menü vortragen. Sie zelebrieren ihr Songbankett regelrecht, wollen Freude verbreiten wie ursprünglich bei den feierlichen Mahlzeiten des Königs bei versammeltem Hof. Das gelingt ihnen an diesem Abend zweifellos. Die kontinuierliche Zusammenarbeit trägt Früchte. Bei der Fahrt auf der Elbe zwischen Rotehornspitze und Industriehafen springt der Funke sofort über. Alle drei Akteure agieren mit spürbarer Spielfreude, dürfen in vielen Solonummern aus sich herausgehen.

Dass sie scheinbar Altbekanntes völlig neu entdecken, nicht einfach nur nachempfinden, ist die Stärke des Abends. Matthias Krizek beweist bei Titeln von Reinhard Mey, wie diese auch ohne Gitarre mit Klavierbegleitung funktionieren. Kaum vorstellbar, dass die "Schlacht am kalten Büffet" nicht einfach kopiert, sondern völlig neu entdeckt wurde. Ein Kabinettstückchen, das da auf dem Theaterschiff zu erleben war. Deutlich an Profil hat Ulrike Nocker gewonnen. Souverän steht sie vor dem Publikum, ist stimmlich voll auf der Höhe.

Sie begeistert mit Titeln von Annett Louisan und bringt das Champus-Lied von Angelika Mann bestens herüber. Immer wieder schlüpft sie in neue Kostüme, kommt als Hildgard Knef auf die Bühne wie auch als mondäne Künstlerin. Für Oliver Vogt ist die Zeit der kurzen Zwischenspiele und der Begleitung wohl endgültig vorbei. Der Mann am Klavier bringt sich unter anderem mit einer amüsanten Plauderei über die Empfindungen eines Bankettpianisten ein. Da macht es Spaß zuzuhören, es scheint, als erzähle er über sich selbst.

Die "Dreierbande" agiert entspannt, deutlich der Wille und die folgende Umsetzung, mit Bewegung und Mimik die ungewöhnliche Spielfläche zwischen Kombüse und Vorderschiff tatsächlich mit Leben zu erfüllen. Dazu kommen hörenswerte eigene Zwischenspiele dazu wie das Alphabet der Nachtschwärmer zur Musik "Die Vogelhochzeit", bei denen wie schon in der Vergangenheit Sabine Münz und Peter Hofmann zur Feder griffen. Knut Müller-Ehrecke verdient für seine Regie ein uneingeschränktes Lob. Es scheint so, als ob er die Akteure wirklich gefordert hat. Der Erfolg kann sich sehen lassen.