Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Nachdem am gestrigen Vormittag der Telemann-Preis der Stadt Magdeburg dem diesjährigen Preisträger, dem Arbeitskreis "Georg Philipp Telemann" e. V., von Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper feierlich übergeben wurde, erklang natürlich auch Musik von Telemann. Das Ensemble, das die 493. Telemann-Sonntagsmusik gestaltete, hat sich sogar den Namen Telemanns gegeben. Der Komponist selbst benutzte das Anagramm seines Namens "Melante" gelegentlich als Pseudonym, und das Berliner Concerto Melante hat aus Verehrung für den Barockmeister dies aufgenommen.

Die Musiker Bernhard Forck und Raimar Orlovsky, Barockvioline, Kristin von der Goltz, Barockvioloncello, und Björn Colell, Theorbe, haben sechs verschiedene Telemann-Kompositionen gespielt, Sonaten für eine, zwei Violinen, für Violoncello und Violine oder Nur Violincello, sowie eine Fantasie für Geige solo aus Telemanns berühmter Musique de Table. Auf den ersten Blick mochte dieses Programm ein wenig eintönig erscheinen, aber – die zahlreichen Telemannkenner im Publikum wussten das – beim Zuhören erlebte man eine ausgesprochen vielfarbige und sehr abwechslungsreiche Musik. Telemann, der Meister des "vermischten Geschmacks", hat die verschiedenen Musikstile und Strömungen seiner Zeit sehr kunstvoll aufgenommen, und dies machte den besonderen Reiz dieser Kammermusik aus. Die Spannweite reichte von der Kontrapunktik aus der deutschen Kirchenmusik über französische Stilelemente mit ihrer Eleganz bis zu Anklängen an den italienischen Barock und an polnische Tänze. Auch der Zusammenklang der verschiedenen Instrumente, mal in konzertierenden Kontrasten, mal im vollen Tutti, mal solistisch, mal im Dialog, ließ interessante Klangfarben hören. Die zwei Violinen in der französisch inspirierten h-Moll-Sonate TWV 42:h5 klangen hinreißend schön, aber das Violoncello mit der Theorbe als Bassinstrument in der Sonate D-Dur TWV 41:D6 wurde zum klanglichen Höhepunkt. Sehr apart der zarte Basston des Zupfinstruments im Kontrast zum weichen und vollen Celloklang. Die stilvolle Klangbalance konnte auch in den anderen Sonaten überzeugen, und dies vor allem deshalb, weil alle Musiker des Ensembles nicht nur sichere Virtuosen sind, sondern vielmehr noch, weil sie alle tief eingedrungen sind in die stilistischen Besonderheiten jeder dieser Kompositionen.

Mit der Sonata polonoise a-Moll TWV 42:a5 fand die Sonntagsmusik einen Abschluss, der dem festlichen Anlass der ganzen Matinee ebenso gerecht wurde, wie dem musikalischen Frohsinn wie er für so viele von Telemanns Werken charakteristisch ist, einer der Gründe gewiss, der ihn zum bewunderten Meister seiner Zeitgenossen gemacht hatte und wofür ihn auch heutige Musikliebhaber bewundern.