Zwei Jahre hatten "Ich+Ich" die Magdeburger Fans auf ein neues Konzert warten lassen. Kein Wunder, dass sich am Sonntag 5000 Fans in der Bördelandhalle drängten, um das Berliner Pop-Duo und die Hits vom neuen Album "Gute Reise" live zu erleben.

Magdeburg. Ein Mann, ein Klavier, eine Stimme – und dennoch war es nicht Sänger Adel Tawil, der am Sonntagabend um kurz nach acht Uhr das Konzert in der Bördelandhalle eröffnete. Statt "Ich+Ich" stellte zunächst "Das gezeichnete Ich" seine Lieder vor. Der Sänger aus Berlin zeigte, was die gut 5000 Zuhörer schon von der Hauptband des Abends kennen: Dass deutscher Pop mit gehaltvollen Texten durchaus Hitpotenzial hat.

Jedes Lied der Ein-Mann-Vorband wurde frenetisch beklatscht. Doch dieser Applaus war nichts gegen den Jubel, mit dem die Magdeburger "Ich+Ich"-Sänger Adel Tawil willkommen hießen. Mit "Einer von Zweien" begann nicht nur das gut zweistündige Konzert. Mit "Einer von Zweien" könnte man auch die Live-Auftritte des Duos überschreiben. Nimmt doch Annette Humpe lieber den Platz in der kreativen zweiten Reihe ein und überlässt ihrem charismatischen Sänger allein die Bühne.

Und Adel Tawil genoss jede Sekunde des Konzertes mindestens so sehr wie seine zahlreichen Fans im Publikum. Unter denen waren – passend zum Muttertag – natürlich viele Frauen. Aber auch Männer und Kinder bewegten ihre Körper zum Takt der Musik und ihre Lippen passend zu den Liedtexten. Die Musik von "Ich+Ich" fasziniert generationsübergreifend – und massenhaft. Deswegen fand das Konzert auch in der Bördelandhalle statt und nicht mehr, wie vor zwei Jahren, im AMO.

Was in der Magdeburger Halle an Technik aufgebaut worden war, musste sich hinter größeren Bühnen nicht verstecken. Für ihr Eintrittsgeld bekamen die 5000 Zuhörer eine fantastische Akustik und eine (Licht)-Show vom Feinsten.

Natürlich waren es aber nicht nur die Effekte, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Es war die kraftvolle Show von Tawil, der Band und zwei Background-Sängern. Der Frontmann selbst tanzte ohne Pause über die Bühne, animierte die Fans, rockte mit den Musikern und verausgabte sich völlig – was auch an seinem durchgeschwitzten Hemd zu sehen war.

Nur wenige Titel, die auf den bisherigen Alben der Band Balladencharakter haben, blieben beim Live-Auftritt auch so ruhig. Bei "Stark" – dem Erfolgshit aus dem Jahr 2007 – kam aber Romantik auf, ließen die Techniker Lichtpunkte an der Decke tanzen.

Passend zur Bördelandhalle, wo auch Spitzensport stattfindet, wechselten Adel Tawil und die Band zur zweiten Halbzeit des Konzertes die Seite, standen auf einer kleineren Bühne im hinteren Teil. So bekamen auch die Zuhörer in der letzten Reihe das Vorn-dabei-Gefühl.

Während die Fans auf den Rängen nur die Blickrichtung ändern mussten, liefen die Zuhörer mit Stehplatz einfach hinterher und drängten sich rund um ihr Idol. "Ihr macht \'Ich+Ich‘ für uns zu einer wirklich guten Reise", dankte Tawil den Fans, die ihn nicht von der Bühne lassen wollten. Lautstark verlangten die Magdeburger nach Zugaben. Ein Wunsch, der vierfach erfüllt wurde. Bei "Alleine tanzen" gewann Adel Tawil dann endgültig alle Herzen, wurde "Ich+Ich" zu "Er und Wir", als er die ganze erste Reihe abschritt, Hände schüttelte, zwei kleinen Mädchen je ein unterschriebenes Handtuch schenkte und für Fotos posierte.

Als die Lichter ausgingen, verließen glückliche Menschen die Bördelandhalle. Danke, "Ich+Ich", für diese gute Reise. Magdeburg ist gerne wieder euer Zielbahnhof!