Carl-Frederik Zeh trägt Musik in sich. Er spielt Klavier und Klarinette – und er komponiert. Wenn heute in Halberstadt mit 16 Bewerbern aus acht Bundesländern die 21. Orchesterwerkstatt beginnt, ist der Hallenser zum zweiten Mal mit dabei. Mit seinen zwölf Jahren ist der Schüler der Latina Halle auch in diesem Jahr wieder der jüngste Teilnehmer.

Von Grit Warnat

Halle/Halberstadt. Ja, er sei schon etwas aufgeregt, sagt Carl-Frederik, der die Sonne im Garten am Elternhaus genießt. Aber größer als die Aufregung sei doch die Freude auf die vier Tage in Halberstadt, auf die Proben, Seminare, Gesprächsrunden und auf das Abschlusskonzert unter Stabführung von MD Johannes Rieger, wenn die Kompositionen der Nachwuchskünstler zum Schluss von einem großen Orchester gespielt werden.

"Das ist für uns alle eine große Erfahrung", sagt Carl-Frederik und meint auch die Tipps der Profis, zu denen die beiden Professoren Christoph Redel aus Detmold und Violeta Dinescu aus Oldenburg gehören.

Mit "Unberechenbar" hat sich Carl-Frederik für die Werkstatt geworben. "Unberechenbar" ist kurz, keine acht Minuten lang. "Es ist ein sehr modernes Stück, mit Effekten, die nicht so häufig genutzt werden", sagt der junge Komponist. Was sind das für Effekte? Carl-Frederik, der gern über Musik, auch über seine Musik spricht, will nicht so richtig raus mit der Sprache. Es sei eine Überraschung. Vielleicht will auch er sich überraschen lassen, wie das, was er sich auf dem Papier ausgedacht hat, dann auch klingen wird.

Wenn man Carl-Frederik zuhört, ist seine Liebe zur Musik spürbar. Musik sind für ihn Töne, ohne die die Welt nicht vorstellbar wäre. "Es sind geplante Geräusche."

Carl-Frederik war fünf Jahre, als er den ersten Klavierunterricht erhielt, und neun beim ersten Klarinettenunterricht. Schon mit sechs Jahren, so erinnert er sich, habe er sich am Komponieren versucht. Er hatte sich die Noten aufgeschrieben. Und er komponiert eifrig weiter, ist seit 2006 auch Mitglied der Komponistenklasse Halle, seit 2008 Schüler der Hallenser Latina. Kann er sein Stück sozusagen vom Papier hören? "Ich habe schon eine Vorstellung von der Klangfarbe, dem Rhythmus, den Tonhöhen", sagt Carl-Frederik. Er habe schon immer ein Faible fürs Improvisieren gehabt, auch immer den Wunsch, was Neues zu hören. "Es gibt viele Komponisten, die Neue Musik machen und damit etwas ganz Eigenes. Ich finde das toll", sagt er mit Begeisterung in der Stimme. Und Pop- und Rockmusik? Carl-Frederik hört sie auch, aber eher selten. "Es hört sich doch irgendwie alles so gleich an. Und Bands werden bekannt, die gut aussehen. Das ist doch schade."

Carl-Frederik blinzelt in die Sonne. "Ich weiß, es ist schon ungewöhnlich, mit 12 Jahren zu komponieren", sagt er. "Aber ich spiele auch Fußball." Das Spiel brauche er zum Abschalten. Carl-Frederik kickt bei Turbine Halle. Linkes Mittelfeld. Er ist auch Ersatztorwart. "Ich habe den Drang, nicht nur in der Musik etwas zu machen."