Martina Rellin ist eine erfolgreiche Sachbuchautorin. Vor allem mit ihren Frauenalltags-Porträts hatte die in Berlin lebende Journalistin die Bestsellerlisten erklommen. Warum sie jetzt über "Göttergatten" geschrieben hat und ob sie bei ihren Gesprächen mit Männern Neues erfahren hat, darüber sprach Grit Warnat mit Martina Rellin.

Volksstimme: Frau Rellin, in Ihren Büchern haben Sie immer Frauen zu Wort kommen lassen. Jetzt haben Sie Männer interviewt. Warum haben Sie mit Männern über Frauen gesprochen?

Martina Rellin: Als mein Buch "Die Wahrheit über meine Ehe. Frauen erzählen" vor zwei Jahren erschienen war, wurden sofort Forderungen laut: Nun müssen Sie aber auch ein Buch aus Sicht der Männer schreiben. Eigentlich logisch, aber ich dachte erst: Männer haben ja erstens nichts zu erzählen, sie reden ja nicht so viel über Gefühle, und zweitens: Männer haben schon gar keine "Wahrheiten", also etwas, was Sie hinter der Fassade verbergen, so wie Frauen das oft tun. Als Männer dann aber zu mir sagten: "Also in unserer Ehe ist alles in Ordnung" hat mich das sehr misstrauisch gemacht – es weiß ja jeder, dass das nicht stimmt. Da habe ich losgelegt mit den Männergesprächen.

"Bei den Gefühlen ringen Männer um Worte"

Volksstimme: Was war anstrengender?

Rellin: Es ist nicht anstrengender mit Männern über die Partnerschaft zu sprechen als mit Frauen – es ist anders. Frauen erzählen geübt, können ihre Gefühle ausdrücken, haben meist schon mit vielen anderen Frauen darüber gesprochen. Männer können gut über ihre Arbeit und ihr Hobby erzählen – aber bei den Gefühlen ringen sie um Worte. Ich fand das aber ehrlich gesagt klasse, denn die Männer waren so erfrischend, so ehrlich, auch sehr schonungslos sich selbst gegenüber, oft haben sie auch sehr humorvoll erzählt.

Volksstimme: Im Vorwort schreiben Sie, dass die Männer beim Erzählen kaum zu bremsen waren. Ihre 17 befragten Männer sprechen sehr ehrlich über ihre Beziehungen. Wie haben Sie das geschafft?

Rellin: Der Trick ist: Ich bin mit diesen Männern nicht verheiratet. Nur deswegen klappt das.

Volksstimme: Haben Sie etwas Neues über Männer erfahren?

Rellin: Über die Männer – und vor allem über mich selbst. Männer können reden, und sie reden gut über uns Frauen, nicht herablassend oder gar böse, wie viele Frauen ja oft denken. Männern fällt es schwer, über ihre Ängste zu sprechen – natürlich haben sie Angst vor einer Trennung, besonders davor, dann möglicherweise den Kontakt zu den Kindern zu verlieren. Männern ist die Familie, das Zusammenleben, die gemeinsam erlebte Vergangenheit sehr wichtig.

Volksstimme: Sie haben zu Hause auch einen Göttergatten. Haben die Männer-Gespräche Ihre Sicht auf Ihre Beziehung beeinflusst?

"... und ich habe mein Verhalten geändert"

Rellin: Männer mögen es nicht, wenn Frauen besserwissern, immer wieder nachhaken und nachbohren, über Sachen reden wollen, die in grauer Vorzeit passiert sind. Ich habe gemerkt, dass ich mich mit meinem Verhalten nicht unbedingt wesentlich von den meisten Frauen unterscheide – und ich habe mein Verhalten geändert, ich bin gelassener, lasse Fünfe gerade sein. Und das nicht nur in der Partnerschaft. Was meinen Sie, wie das entspannt, wie viel Zeit man gewinnt.

Volksstimme: Als wir über Ihr Buch "Die Wahrheit über meine Ehe" gesprochen haben, sagten Sie, dass vor allem Männer oft nicht wahrnehmen, dass ihren Frauen etwas fehlt. Jetzt kann man lesen, dass Frauen oft nicht wissen, was in ihren Partnern vorgeht. Das hört sich nicht gut an für die Ehe.

Rellin: Ach, was heißt das, hört sich nicht gut an für die Ehen … Es ist doch bei allen so, dass irgendwas immer fehlt. Wir sollten das akzeptieren, uns freuen, über das was ist, eben das halb volle Glas loben und nicht das halb leere bemäkeln. Ich glaube, die Ansprüche der Menschen, insbesondere der Frauen, sind heute einfach zu hoch. Gerade Frauen wollen perfekt sein in allem, was sie tun, als Frau, Ehefrau, Mutter, Geliebte, Tochter, Kollegin und so weiter. Was für ein blödsinniger Druck, der auch an den Partner weitergegeben wird: Wir wollen perfekt sein. Männer sind da cool, die sagen: Wieso? Ich bin, wie ich bin, wer mich so nicht mag, soll sehen, wo er bleibt … Recht hat der Mann.

Volksstimme: Für wen haben Sie das Buch geschrieben? Für die Göttergatten oder die Frauen?

Rellin: Bücher über Liebe, Partnerschaft, Psychologie werden doch hauptsächlich, zu 90 Prozent, von Frauen gelesen. So ist es auch bei diesem Buch. Frauen wollen gerne wissen, wie Männer denken, sie erfahren es ja tatsächlich von den "Göttergatten" der anderen. Und Männer sagen grinsend: Was interessiert mich die Konkurrenz … Selbstverständlich gibt es auch Männer, die solche Frauenbücher mit Vergnügen lesen, böse Zungen sagen: Das sind die Frauenversteher, die sich einen Wissensvorsprung anlesen wollen.

"Die ist eine richtige Männerversteherin"

Volksstimme: Kommen jetzt zu Ihren Lesungen auch die Göttergatten?

Rellin: Ja! Und sie amüsieren sich und freuen sich und sagen hinterher zu ihren besseren Hälften: Das war ein schöner Abend, die Frau Rellin spricht mir aus der Seele, die ist eine richtige Männerversteherin! Wirklich, am meisten freuen sich die Männer, wenn ich erkläre, warum Fußball für Männer so wichtig ist, und dass wir Männer ärgern, wenn wir sagen: Trink nicht so viel Bier.

Lesungstermine von Martina Rellin:

25. Mai, 19.30 Uhr, Bernburg, Metropol, Schloßstr. 20

26. Mai, 19.30 Uhr, Aschersleben, Bibliothek, Breite Straße 22

27. Mai, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Magdeburg, Breiter Weg 109.

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