PUR geht ab Juni deutschlandweit auf Tour. Am Freitag, 13. August, ist die Band ab 20 Uhr im Optikpark in Rathenow zu erleben. Im Vorprogramm tritt die junge Band "Luxuslärm" auf. Vor dem Tourstart sprach Volksstimme-Redakteurin Andrea Schröder mit PUR-Sänger Hartmut Engler.

Volksstimme: Nach der erfolgreichen Hallentour zum neuen Album "Wünsche" im Herbst folgen jetzt die Open Airs. Das Konzert in Rathenow gehört mit 5000 Fans sicher zu den kleineren. Welchen Reiz hat es für Sie, vor einem kleineren Publikum zu spielen?

Hartmut Engler: Wir haben schon öfter nach einer Hallentour ein paar größere Festivals folgen lassen. Nachdem die letzte Hallentour im Herbst wieder sehr erfolgreich und die Nachfrage sehr groß war, haben wir uns entschieden, dieses Mal nicht nur bei einem Festival zu spielen, sondern eine Sommer-Open-Air-Tour zu starten.

Dabei wollen wir raus aus den Zentren und spielen vor 3000 bis 5000, maximal 8000 Leuten.

Von Montag bis Donnerstag haben wir frei, Freitag bis Sonntag spielen wir und sind deshalb ausgeruht. Wir freuen uns auf kleine Freilichtbühnen und haben richtig Lust, dabei das neue Album vorzustellen. Es darf ruhig mal kleiner sein, vielleicht ist das ja auch die Zukunft.

Volksstimme: 23 Konzerte von Juni bis Anfang September sind eine ganze Menge. Wie bereiten Sie sich darauf vor, um jeden Abend gut gelaunt auf der Bühne zu stehen?

Engler: Gut gelaunt wird sich von allein einstellen, wenn wir unsere Konzerte als Wochenendausflug betrachten dürfen.

Wir proben gerade für unsere Tour, zu Pfingsten machen wir Urlaub. Ansonsten bin ich viel am Sporteln, um körperlich richtig fit zu sein. Ich jogge, schwimme, fahre Fahrrad und habe mir vor kurzem ein neues Sportgerät gekauft. Auf dieser Power Plate sammele ich gerade meine ersten Erfahrungen.

Volksstimme: Und wie entspannen Sie?

Engler: Ich bin fürs Lesen prädestiniert, habe zwölf Semester Deutsch und Englisch studiert mit dem Hauptaugenmerk auf Literatur. Ich lese gern gute Unterhaltungsthriller, aber auch etwas, was mich weiterbringt.

Ein gutes Buch habe ich immer mit dabei, um vorm Einschlafen zu lesen, zurzeit ist es Stieg Larsson. Dann habe ich meine beiden Kinder, mit denen ich vor allem am Wochenende Zeit verbringe, und meine junge dynamische Freundin, die mich gut einspannt.

Volksstimme: Ihre Texte sind sehr emotional, ehrlich und oft von persönlichen Erlebnissen geprägt. Wie schaffen Sie es, die Schwelle vom Privaten zur Öffentlichkeit zu überschreiten und bei jedem Konzert an das Erlebte erinnert zu werden?

Engler: Es ist das Beste, wenn ich was erzähle, was ich weiß. Ich muss einen authentischen Bezug zu dem Ganzen haben.

Das ist nichts Autobiografisches, sondern eine abstrakte emotionale Welt. Der persönliche Bezug in meinen Texten ist gewollt. Das sind immer Momentaufnahmen. In "Gesund" auf unserem aktuellen Album geht es um die harte Zeit, die ich durchlebt habe.

Das ist ein Statement. Heute fragen mich Leute oft: Wie geht’s Ihnen? Die sind dann verwundert, wenn ich sage: Mir geht’s sehr gut.

Wer mit Depression zu tun hat, weiß, dass sie einen wieder treffen kann. Ich hoffe immer, dass sie mich nicht erreicht, wenn wir auf Tour sind. Ich bin aber auch froh, dass ich das zulassen konnte und auf offene Ohren treffe.

Es gibt so viele Leute, die damit zu tun haben. Darum haben wir einen solchen Song auf unserem Album, er ist für ganz viele Leute.

Das ist die Stärke von Pur, dass wir nicht nur lockere Unterhaltung machen, sondern über die Dinge singen, die im Leben der Leute eine Rolle spielen.

Volksstimme: Das ist sicher das Rezept für Ihren Erfolg und der Grund dafür, dass mittlerweile Generationen in Konzerten Ihre Texte mitsingen?

Hartmut Engler: Es ist die emotionale Art, wir singen über Dinge, die im Leben der Leute stattfinden. Wir bekommen oft Briefe, in denen uns Fans schreiben, dass ihnen ein Lied in einer bestimmten Situation geholfen hat. Das ist es, denke ich. Die Leute können in ihr Leben reinschauen.

Volksstimme: Mit "Luxuslärm" fördern Sie bei Ihrer Wünsche-Tour eine junge Band. Was raten Sie jungen Leuten, die ins Musikgeschäft einsteigen wollen und nicht an DSDS und andere Superstarsuchen glauben?

Engler: Luxuslärm müssen wir nicht fördern, die machen ihren Weg. Wir bieten ihnen viel Publikum und sie uns ihre Musik. Sängerin Janine hat eine tolle Stimme. Für mich ist sie die deutsche Pink. Auf unserem Album singe ich mit ihr das Duett "Die Beste".

Jungen Musikern kann ich nicht viel raten, weil man sich heute nicht mehr so nach oben spielen kann. Es ist schwer für sie, weil es nicht mehr so viele Möglichkeiten gibt, wo sie live spielen können.

Ich glaube nicht, dass es künftig noch Bands wie PUR, Ärzte oder die Toten Hosen gibt, denen man 30, 40 Jahre beim Älterwerden zugucken kann. Da bin ich pessimistisch.

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