Von Liane Bornholdt

Magdeburg. In der Nacht zum Donnerstag starb Astrid Eberlein, die langjährige Vorsitzender des Magdeburger Wagner-Verbandes, nach langer, schwerer Krankheit.

Wer irgendetwas mit Kultur, mit Kunst oder mit Musik in Magdeburg zu tun hatte, ist ihr irgendwann begegnet, und wer ihr begegnete, wurde beeindruckt und fast immer mitgerissen von ihrer bedingungslosen Hingabe an die Sache der Musik, vor allem der Richard Wagners, von ihrer Begeisterung für die Theaterkunst, aber auch von ihrer Hingabe an das Leben.

Astrid Eberlein war eine Unermüdliche und eine Kämpferin. Die letzten Kämpfe musste sie gegen eine unheilbare, tödliche Krankheit ausfechten, und sie hat diesen Kampf über mehrere Jahre bestanden, ehe sie ihr erlag.

Die Lücke, die Astrid Eberlein hinterlässt, wird unmöglich auszufüllen sein. Wer immer sie kannte, als kundige und initiativreiche Musikbibliothekarin in der Stadt- und Bezirksbibliothek Magdeburg – nach der Wende Magdeburger Zentralbibliothek – und vor allem seit Juni 1990 als Vorsitzende des wiedergegründeten Richard-Wagner-Verbandes Magdeburg, den beeindruckte sie mit ihrem Wissen, mit ihrer Offenheit, mit der Vielfalt ihrer Interessen, ihrem Fleiß und mit ihrer unbedingten Freundlichkeit.

Damit gelang es ihr in nahezu jeder Situation zu überzeugen, damit gewann sie Mitstreiter und Partner für die unzählbaren Projekte, die sie für die Musik in Magdeburg initiierte und vielfach auch selbst realisierte. Mit musikalischen Bibliothekssonntagen im wunderbaren Jugendstilsaal in der Weitlingstraße begann es und gipfelte in ihrer Tätigkeit für den Richard-Wagner-Verband Magdeburg, dessen Vorsitzende sie fast 20 Jahre lang gewesen ist.

Ohne Astrid Eberlein hätte es wohl die Wiedergründung des Verbandes am 27. Juni 1990 nicht gegeben, es hätte kaum die zahllosen Konzerte, Vorträge, Diskussionsrunden, Theateraufführungen, Ausstellungen, Publikationen gegeben, die der Richard-Wagner-Verband veranstaltete, es wären wohl kaum 60 junge Künstler mit Wagner-Stipendien ausgezeichnet worden, die Wagner-Büste wäre nicht in das Theater Magdeburg zurückgekehrt, und es hätte kaum die Kompositionen gegeben, die im Auftrag des Verbandes in Magdeburg entstanden.

Obwohl schon von der Krankheit gezeichnet, hat sie noch die 100-Jahr-Feier mit zahlreichen Veranstaltungen im Herbst vergangenen Jahres mit Umsicht und der ihr eigenen Unermüdlichkeit vorbereitet, und sie hatte noch viele weitere Pläne. Bald wird ein Buch über den Richard-Wagner-Verband in Magdeburg erscheinen, an dem sie mitgearbeitet hat und das sie nun leider nicht mehr in die Hand nehmen kann.

Mit all dem, mit ihrem Wirken für den Verband, mit den wunderbaren Konzertreihen, etwa den Weihnachts- und Faschingskonzerten mit Hans H. F. Schmidt oder den Stipendiatenkonzerten, die sie ins Leben rief und die zu unverzichtbaren Bestandteilen des Magdeburger Kulturkalenders wurden, hinterlässt Astrid Eberlein ein reiches, lebendiges Erbe und eine große Verpflichtung.

"Ein schrecklicher Verlust für die Stadt"

Magdeburgs Oberbürgermeister, Lutz Trümper (SPD), zeigte sich tief betroffen vom Tod der Wagner-Freundin. "Das ist ein schrecklicher Verlust für die Stadt. Ich habe Sie noch vor wenigen Tagen im Hospiz besucht." Eine Begegnung, die den Oberbürgermeister tief berührt hat. "Die Ehrungen der vergangenen Monate und der Zuspruch der Menschen haben sie sehr glücklich gemacht. Das hat sie mir noch einmal gesagt. Die Musikszene von Magdeburg und darüber hinaus verliert mit Astrid Eberlein eine große Persönlichkeit."

Für die Intendantin des Theaters Magdeburg, Karen Stone, war Astrid Eberlein eine der ersten Personen, die sie kennenlernte, als sie vor zwei Jahren nach Magdeburg kam. "Sie war eine tolle Frau mit einer enormen Leidenschaft", meinte Karen Stone, "die eine unglaubliche Leidenschaft für das Theater hatte. Solche Menschen motivieren uns immer aufs Neue und bereichern unser Leben. Sie liebte alles, und sie hat so sehr viel vor allem für junge Menschen getan." Die enorme Vielschichtigkeit verbunden mit großer Warmherzigkeit charakterisierten Astrid Eberlein. "Aber sie war kein liebes Mäuschen", sagt Karen Stone, "sie forderte von uns viel, und sie gab auch viel. Wir werden sie vermissen, aber wir wollen auch dafür sorgen, dass der Name Astrid Eberlein nicht vergessen wird. "