Magdeburg. " Wartet mal ", ruft Lars Frank dazwischen, " da muss mehr Respekt rüberkommen, das ist mir nicht ausdrucksstark genug. " Der Gastregisseur im Magdeburger Puppentheater legt bei den Proben großen Wert aufs Detail. Margit Hallmann und Frank A. Engel antworten mit einem " Okay " und wiederholen die Szene : Ein rothaariges Püppchen namens Pünktchen bittet gerade den Schuldirektor, keinen Mahnbrief zu schreiben, weil ihr Freund Anton in seinen schulischen Leistungen nachgelassen hat. Antons Mutter ist krank, und deshalb müsse der Bursche nicht nur für sie kochen, sondern auch noch nebenbei Geld verdienen. Als Antons beste Freundin würde Pünktchen ihm natürlich Nachhilfeunterricht geben, auf dass der Junge das Versäumte nachhole …

Der Direktor legt sich mit Hilfe des Puppenspielers Engel einen pädagogisch wertvollen Blick zu und stellt der Rothaarigen ein paar Testfragen. Nachdem deren Beantwortung für ihn zufriedenstellend ausfällt, will er vom besagten Brief Abstand nehmen.

" Alles klar ", ruft der Regisseur in das Geschehen, " jetzt die Szene mit Klepperbein. " Frank A. Engel wechselt Puppe und Stimmlage, lässt Sekunden später einen Berliner Jungen auferstehen und zum Telefonhörer greifen : " Hallo, Herr Direktor – ick hätte ’ne Information für Sie, die ihre zehn Märker wert ist. "

Gottfried Klepperbein erweist sich schnell als Fiesling reinsten Wassers. Denn der Herr Direktor ist Pünktchens Vater und wird von ihm davon in Kenntnis gesetzt, dass sein geliebtes Töchterlein mit dem kriminellen Anton liiert ist. " Und der ", so Klepperbein, " gehört eigentlich in den Knast. " Als der Denunziant ein wenig zu vorlaut wird, verpasst ihm der Direktor eine Ohrfeige. Dem Regisseur aber ist das nicht kräftig genug : " Hier brauchen wir was Stärkeres. " Ein Blick auf die zur Verfügung stehenden Utensilien lässt schließlich eine Suppenkelle zutage treten – dem Fiesling stehen harte Zeiten bevor …

Erinnerungen

an " Metropolis "

All das geschieht in einem Bühnenbild, das ein wenig an Fritz Langs " Metropolis " -Kulisse erinnert – große Häuser und schmucklose Fassaden atmen Kälte und lassen die Menschen winzig erscheinen. In genau dieser Umwelt wirkt die Freundschaft von Pünktchen und Anton, die aus ganz unterschiedlichen Lebensverhältnissen kommen, die sich gegenseitig helfen und auch noch einen Kriminalfall lösen müssen, wie ein wärmender Sonnenstrahl. Wer nun aber ein schwer verdauliches Sozialdrama für Menschen ab sechs Jahre erwartet, dürfte bitter enttäuscht werden : Die Inszenierung des Magdeburger Puppentheaters verspricht eine unterhaltsame Mischung aus Spannung, Action, Gefühl und Humor zu werden. Premiere ist am 25. April.