Eigentlich muss man Gabriele Putz gar nicht vorstellen. Sie ist bekannt und spielt im öffentlichen Leben der Stadt und des Bundeslandes schon länger eine Rolle. Aber es ist doch immer wieder interessant zu sehen, was abseits der Öffentlichkeit, in aller Stille im abgeschiedenen Atelier, in dem die Künstlerin mit sich allein ist, so entsteht. Und so begab sich die Volksstimme in die gut versteckt liegende Ammensleber Straße in Magdeburg.

Magdeburg. Da hat sich in den fast 40 Jahren seit ihrer Rückkehr vom Studium an der Burg in Halle einiges an Kunst angesammelt. Schon in der Diele des kleinen Einfamilienhauses sind die Wände mit vielen originalen Grafiken von Künstlerfreunden, von bekannten und verehrten Meistern ausgestattet. Ein " Who is Who " der regionalen Szene. Das setzt sich in den anderen Räumen fort, auch mit Gemälden und kleinen Plastiken.

Nur im eigentlichen Atelier, einem zweckmäßigen Anbau, wechselt die Schau ihrer gesammelten Bilder zu Eigenem. In schön gestalteten Vitrinen ist lockender Schmuck drapiert und an der Wand über den Arbeitstischen zeigen als Eigenproduktion mehrere Poster, was die Künstlerin Gabriele Putz außerdem noch zu bieten hat.

" Am Anfang wollte ich ganz viel und üppig, am liebsten alles auf einmal ", erzählt sie. " Erst im Laufe eines Arbeitslebens wird dann klar, dass die Reduzierung auf das Eigentliche und wirklich Eigene etwas dauert. "

Nun summieren sich die Erfahrungen aus 38 Jahren sichtbar, die Schmuckstücke in den Vitrinen belegen es. Und inzwischen konnte sie beispielsweise mit einem Lehrauftrag für zeitgenössische Kunst an der Magdeburger Universität ihr Wissen und ihre Erfahrungen an Jüngere weitergeben. Einfühlungsvermögen und Kenntnisse in den Bereichen der bildenden Kunst, der Literatur, des Filmes, der Musik und der neuen Medien werden ihr auch als Beirat in der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt abgefordert.

Dass sie " etwas mit Kunst machen " wollte, wusste Gabriele Putz schon sehr früh. Als sie allerdings 14-jährig den schon damals bekannten Magdeburger Maler Jochen Aue fragte, was denn eigentlich Kunst sei, bekam sie zur Antwort " Das weiß ich auch nicht. "

Sie musste also eigene Antworten suchen, und die fand sie vor allem im Grundstudium an der Hochschule für Kunst und Design Halle Burg Giebichenstein bei ihrem Professor Lothar Zitzmann, der zu den wichtigsten Theoretikern und Praktikern der Kunstlehre gehört. " Das war für mich wie eine Offenbarung ", erinnert sich Gabriele Putz.

Nach dem Studium kam sie nach Magdeburg zurück. Das war die Zeit, als sich mit Hilfe des Künstlerverbandes viele junge Künstler nach ihrem Diplom an der Elbe in Magdeburg niederließen und sich ein für DDRVerhältnisse reges Kunstleben entwickelte.

Seit dieser Zeit kann die Künstlerin immer wieder Wünsche ihrer Auftraggeber erfüllen. Sie erfahren bei ihr, dass sich zu schmücken ein Zeichen am Körper zu setzen heißt. Für sich selbst und für andere. So könne man zeigen, wer man ist. " Schmuck als Unterhaltung für die Seele ", notiert sie für ihren letzten Katalog zur Ausstellung in der Galerie Himmelreich vor zwei Jahren. Und in der Tat, wer Schmuck von Gabriele Putz trägt, zeigt etwas Besonderes und natürlich Unikates. Auch darum ist ihr alljährlicher Herbstsalon, zu dem sie auch jeweils einen befreundeten Künstler aus anderen Sparten einlädt, so erfolgreich.

Besonders angetan haben es ihr für ihre Arbeit Formen, wie sie die Natur vorgibt. Zum einen sind es Steine unterschiedlicher Herkunft, Form und Struktur als Botschafter einer Welt, die lange vor der Menschheit entstanden ist, vom am Strand gefundenen Ostseestein bis zum Rubin und zum anderen Blüten und Früchte, die die Fauna alljährlich in reichem Maße produziert.

" Die berühmten Fotografien von Karl Blossfeldt mit seinen subtilen Vergrößerungen von Pflanzenformen begeistern mich und regen mich an. Er hatte schon 1928 das Buch ‚ Urformen der Kunst ‘ und vier Jahre später ‚ Wundergarten der Natur ‘ herausgebracht. "

Ihre neueste Entdeckung sind die Früchte des Blauglockenbaumes, die sie in Silber gegossen hat. Schöne Arbeiten entstanden zum Thema Lotosblüte, die für Hals- und Armschmuck, Ohrhänger und Ring Anregung lieferte.

Zuvor war es die Physalis, die in goldenen und silbernen Varianten in den Vitrinen der Künstlerin zu finden ist. Im Moment beschäftigt sie sich mit Mohnkapseln, kleinen Wunderwerken der Natur. Und zu den Formen der Natur gehört natürlich auch die menschliche Figur, die für Gabriele Putz schon seit Mitte der 1980 er Jahre immer mal wieder Anregung für Arbeiten mit Torsi des schönen Körpers, in Alabaster geschnitten, war.

Sich zu schmücken, ist seit Urzeiten wichtiges Bedürfnis der Menschen. Seit den Gründerjahren und der Industrialisierung stellen Manufakturen auch heute noch Schmuck seriell her. Als allerdings die Massenbedürfnisse gestillt waren, erhielt die Schmuckgestaltung beispielsweise mit Henry van de Velde ihren eigenen Platz innerhalb der künstlerischen Sparten zurück.

Van de Velde war einer der Ersten, der in seiner Weimarer Zeit für die Aufhebung der Trennung von freier und angewandter Kunst eintrat. Auch Gabriele Putz sieht ihre Schöpfungen als freie Arbeiten, die ein hohes Maß an Kreativität verinnerlichen und natürlich auch fantasievolle Verspieltheit in die Waagschale werfen. " Die Einheit von Funktion und Ästhetik muss gewahrt bleiben ", stellt sie fest. Wie sonst wären die Trägerinnen ( es gibt auch Träger ) ihres Schmucks so glücklich und stolz, etwas ganz Besonderes tragen zu dürfen. Ohne irgendwelche alten Grenzen oder Schubfächer namens " frei " oder " angewandt " zu sehen, wird sie auch an der Ausstellung " Der Dinge Stand 2010 " im Mai und Juni im City Carré teilnehmen. Wir dürfen uns auf Neues freuen.