Wenn bei der Einlasskontrolle reihenweise Piccolo-Flaschen aus den Taschen purzeln, wenn Frauen kollektiv aufseufzen und ihre Ehemänner bis zum letzten Zugabe-Ton am Ausgang warten lassen – dann ist er wieder in der Stadt. Ihr Howard Carpendale. Hello again. Und wie. Howie machte mit seiner Tournee " Stark " am Montagabend Station in der Magdeburger Bördelandhalle.

Magdeburg. Die Fans konnten es damals nicht glauben. Howard Carpendale hört einfach auf, kündigte an, für immer Urlaub zu machen. Vor zwei Jahren überlegte es sich der Sunnyboy anders. Das Frührentnertum kann warten. Howie ist wieder da. Spot an !

Krachig und rockig stimmt der 64-Jährige die etwa 2 100 Fans in der Bördelandhalle mit dem neuen Song " Wir haben alles überlebt " auf den Abend ein. Er verkündet, dass er " Noch immer mittendrin " ist und erklärt " Das bin nicht ich ". Howie will beweisen, dass er es noch drauf hat. Er ist eben nicht der Typ, der nur faul im Liegestuhl am Pool sitzt oder Golf spielt.

" Ich hoffe, Sie genießen die kleine Show ", ruft der Sänger den Magdeburgern zu. Kleine Show ? Von wegen ! Das hier ist eine große Privat-Party unter Howie-Fans. Es gibt kaum ein Lied in der fast zweieinhalbstündigen Show, das nicht mitgesungen wird. Es hat sich nicht viel verändert. Howie hat dieselbe blonde Mähne, denselben charmanten Akzent und wie die Vorgängeralben ist auch die aktuelle Platte " Stark " größtenteils autobiografisch geprägt. Der Altmeister aus Südafrika macht aus dem Konzert eine Show, bei der es Goldfäden regnet, bei der aufwändig illuminiert wird und bei der auch vier tolle junge Sänger ihren Platz haben.

Er wirkt lässig und cool. Manchmal vielleicht ein bisschen zu cool. Howard Carpendale zieht sein Programm durch. Flachst hier ein bisschen über das Alter (" Ich bin keine 59 mehr, na und ?"), verrät Rezepte gegen Trennungsschmerz (" Fotografieren Sie Ihren Ehemann mit seinem hängenden Bierbauch !") und erzählt das Märchen von Golfspielern, die keinen Sex mehr haben.

Aber manchmal hätte er der begeisterten Menge einfach mehr Raum zum Feiern, zum Applaudieren und Mitsingen im Chor geben sollen. Na klar, gespielt hat Howie sie alle. Die Hits von früher, ganz früher und noch davor : " Alice ", " Ti amo ", " Geh doch ", " Du fängst den Wind ". Da belagern längst die Frauen die Bühne, schenken Blumen und wollen Autogramme. Seine Klassiker mischt er unter Balladen wie " Wir haben überlebt " oder ernstere Songs wie " Yes we can ", mit dem er dem US-Präsidenten Barack Obama huldigt. Carpendale kann sich solche abrupten Brüche in der Dramaturgie leisten. Eben noch sitzt das Publikum und wiegt andächtig mit den Köpfen, schon springt es wieder auf und feiert mit. Er kann es noch. Howie bringt die Bördelandhalle in Fahrt, setzt seine Stimme effektvoll ein. Er kann immer noch große Dramen singen und verwischt die Genregrenzen zwischen Pop und Schlager.

Musikalische Höhepunkte sind allerdings nicht seine großen " Kracher ". Ihnen fehlt ein wenig das, was Howard Carpendale bei den Cover-Songs zeigt – eine unbändige Lust am Singen. Es entsteht ein Funkenschlag von der Bühne auf die Ränge, als Howie seine Version von " Every Breath you take " von " The Police " oder den Hit " Pflaster " von " Ich + Ich " singt. Und schon sitzt er wieder lächelnd auf seinem weißen Hocker. Von der Leinwand zwinkert der überdimensionale Howie bis in die hinterste Reihe tief ins Frauenherz. " Isch freue misch schon auf das nächste Konzert hier in Magdeburg ! Seid Ihr wieder dabei ?", ruft er in die Bördelandhalle. Warum eigentlich nicht ?