Als die Magdeburger Schriftstellerin Ingrid Hahnfeld im September 2007 ihren 70. Geburtstag gefeiert hat, arbeitete sie bereits an ihrem neuen Roman. Das Manuskript gab sie dem Mitteldeutschen Verlag Halle, der das Buch voraussichtlich Mitte Mai herausbringen wird. Die Volksstimme veröffentlicht " Katzentage " ab morgen auf der Kulturseite.

Magdeburg / Halle. " Die Katze schnürt vor mir her ins Wohnzimmer hinüber. Ich folge ihr auf nackten Sohlen. Liebe es, Ballen und Zehen im Flausch des Teppichbodens zu spüren : Da ist eindeutig Leben unterwegs. Wenn ich tot wäre, würde ich das nicht mehr empfinden können. "

Ingrid Hahnfeld setzt sich in ihrem neuen Buch mit dem Altwerden und Alleinsein auseinander. Sie schreibt von Abschied, von Verlusten, von Ängsten. Und das sehr poetisch, sehr sensibel. Auf jeder Seite kann der Leser ihre große Liebe zum geschriebenen Wort spüren.

" Katzentage " lebt von Erinnerungen, Authentischem. Das ist nichts Neues in Hahnfelds Texten. Das war schon in ihrem Buch " Windfängerin " so, das die Volksstimme 2004 als Fortsetzungsroman abgedruckt hatte. Damals schrieb sie von Rune. Das war sie selbst. Rune taucht auch jetzt wieder auf. Da treffen ein altes Ich und ein neues Ich aufeinander.

Hahnfeld, die erkrankt ist und mit der Volksstimme kein Gespräch führen konnte – alles Gute ! – hatte für dieses Buch einen kleinen Rückblick auf ihr Leben angekündigt. Der Leser stößt auch immer wieder auf autobiografische Züge. Beispielsweise wenn sie sich an ihre erste Rolle als Emilia Galotti erinnert. Und wenn sie von ihrem Herzenswunsch schreibt, zur Bühne zu wollen. Hahnfeld war auch Schauspielerin, Schülerin der renommierten Busch-Hochschule in Berlin. Nach elf Jahren auf der Bühne entschied sie sich für das Schreiben.

Es gibt zahlreiche Bücher von ihr, auch Hörspiele und Puppenspiele. Sie hat bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht, unter anderem im Militzke-Verlag und im S. Fischer Verlag.

Ihr neuestes Werk hatte sie dem Mitteldeutschen Verlag eingereicht. " Ihr Name war mir ein Begriff ", sagt Verlagschef Roman Pliske. " Beim Lesen war mir schnell klar, dass das ein starker Text ist. " Und Pliske beeindruckt das Thema. " Es betrifft jeden und jeder wehrt es irgendwie ab. Es erfordert Mut, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, auch mit der Einsamkeit. Und wie es ist, wenn alte Freunde weg sind und keine neuen hinzukommen. Das hat mich sehr berührt. "

In Stunden der Einsamkeit leistet die Katze Gesellschaft. An den Sonntagen zum Beispiel, die von der Autorin als " langweilige Gesellen " bezeichnet werden. " Sie gähnen mich an, und sie nehmen kaum etwas von der Zeit weg, die ich übrig habe. "

Der Mitteldeutsche Verlag bringt das Buch auf den Markt. Allerdings nicht unter Hahnfelds Wunschtitel " Fundevogel ". " Das war rein rechtlich nicht möglich ", sagt Pliske. Es gibt bereits ein Buch mit eben diesem Titel. Es ist ein Märchen der Brüder Grimm, und es gibt eine Märchensammlung, die " Fundevogel " heißt.

Die Entscheidung fiel für " Katzentage ", ein von der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt gefördertes literarisches Projekt.