Nach dem Sondershäuser Maler und Grafiker Gerd Mackensen stellt die " Galerie im Ersten Stock " in Wernigerode zwei weitere Künstler aus Thüringen vor. Arbeiten von Bildhauer Volkmar Kühn und seiner Frau, der Papierkünstlerin Marita Kühn-Leihbecher, sind bis zum 2. Mai zu sehen.

Wernigerode. Volkmar Kühn und Marita Kühn-Leihbecher leben und arbeiten in Wünschendorf bei Gera, wo sie ihren Lebensmittelpunkt, die verfallene Kloster-Schloss-Ruine Mildenfurth mit romanischen Ursprüngen zu einem Kulturzentrum für Ausstellungen, Konzerte und Lesungen entwickelten.

Die Kontraste der neuen Wernigeröder Ausstellung ergeben sich ganz einfach aus den unterschiedlichen Materialien der ausgestellten Werke. Hier Plastiken, in Bronze oder aus Ton, und dort handgeschöpfte, zumeist zartfarbene Papiere mit abstrakten Motiven. Hier oft spannungsgeladene Figurengruppen und dort wohlklingende Ruhepunkte als papierene Komposition.

Der Bildhauer Volkmar Kühn studierte an der Leipziger Fachschule und war später Hilfstierpfleger, was sich mit Sicherheit auch auf sein späteres Werk auswirkte. Seine Arbeiten behandeln oft das Verhältnis des Menschen zum Tier und natürlich auch jenes von Mensch zu Mensch. Die Hilflosigkeit der Kreatur gegenüber den menschgemachten Verhältnissen, aus denen oft Bedrohung produziert wird, ist Thema und die wiederum daraus geborene existenzielle Angst des Menschen, der in seiner Introvertiertheit keinen Schutz sieht und findet.

Kühns Figurenwelt der Menschen, der Kentauren und anderen Tiermenschen und der Tiere, hier mit Vorliebe Hunde und Pferde, kommt in der eigenartigen scheinbar transluzenten, hintergründigen Bildsprache daher, die man so nur von Volkmar Kühn als ganz eigene Bildsprache kennt, immer nach Balance suchend und doch erdennah. Die leicht verfremdete Körperlichkeit der Skulpturen lässt auch einen Platz frei, den Hintersinn mit leichter Ironie zu lesen. Wenn er dann Details farblich oder gar gülden absetzt, gibt es dem Ensemble noch eine besondere Note.

Und in vielen der Werke weht auch ein Hauch von Poesie herüber, die Demut vor dem Leben beinhaltet. Vor allem die Figurengruppen lassen Kühns Suche nach Harmonie spüren. Diese Suche ist offensichtlich nicht ohne Hoffnung, weil der Künstler an die heilende Kraft der Kunst glaubt. So hat er seine Wurzeln auch in Mildenfurth geschlagen und ist sicher, dass er eigentlich nur dieses, sein Refugium zum Leben und für seine Kunst braucht.

Marita Kühn-Leihbecher schöpft all ihre Papiere selbst und collagiert den verschieden gefärbten Papierbrei schon in diesem Zustand zu Collagen. Dabei kann sie hervorragend mit Licht, mit Linie und Fläche spielen und nennt die Ergebnisse dann auch Schöpfcollagen. Übereinander gelagerte Papiermasse saugt sich an und verbindet sich oder stößt sich ab.

Je nach Stärke des Auftrags entstehen zusätzliche Konturen oder reliefartige Papierlandschaften, die wiederum die unterschiedlichsten Strukturen hervorbringen. Im letzten Jahr hat die Künstlerin die zuvor eher pastellenen Farben mit ganz kräftigen, leuchtenden komplementären Farben ausgetauscht und sich so eine neue Bildwelt geschaffen.

Beide Kühns betonen gern, dass sie nur dort ausstellen mögen, wo sie die Bemühungen um die Kunst wirklich spüren können. Wernigerode, Marktstraße 1 im ersten Stock, ist für sie ein solcher gewinnender Ort.