Darmstadt ( dpa ). Von wegen edle Ritter – Raufbolde waren die sogenannten Kriegshelden im Mittelalter. In letzter Zeit kamen einige Bücher auf den Markt, die sich intensiv mit dem " Krieg im Mittelalter " auseinandersetzen. Sie bieten für historisch Interessierte neue Erkenntnisse über das Kriegs- und Militärwesen in der Zeit von etwa 500 bis 1500, also bis zum Beginn der sogenannten Neuzeit.

In seinem Buch " Ritter und Raufbolde. Vom Krieg im Mittelalter " räumt der Autor Martin Clauss mit dem durch Minnesang und Heldensagen beförderten Bild vom edlen Ritter auf. Schon andere Werken berichten umfassend über Größe, Ausrüstung und Zusammenstellung der Heere. Anhand der Wehrpflicht wurde nachgewiesen, dass die Heere in dieser Zeit nicht größer als 30 000 bis 40 000 Mann gewesen sein konnten – in aller Regel waren sie eher kleiner. Oftmals standen sich nur einige Hundert Mann gegenüber. Zahlen wie 100 000 oder 150 000 Mann jedenfalls sind absichtsvolle Übertreibungen der Chronisten.

Klar wird, dass im Mittelalter die Überlegenheit der gepanzerten Reiterei gegenüber den Fußsoldaten auf die wenig durchorganisierten sozialen und staatlichen Strukturen zurückzuführen sind, die sich auch in den Heeren wiederfinden. Ritter konnten sich teure Ausrüstungen leisten, hatten Zeit zu üben und sie gingen im Kampf – eher als ihre Bauern – einigermaßen organisiert vor.

Das aber heißt wiederum nicht, dass die Streitkräfte ganz ohne Strategie und Taktik mit Gebrüll aufeinander losstürmten. " Unser modernes Bild vom mittelalterlichen Krieg ist oftmals durch positive Assoziationen mit Ritterlichkeit ... und Heldenmut geprägt. " Allenthalben " werden uns tapfere Kämpfer präsentiert, die in strahlenden Rüstungen mutig aufeinander losgehen. Dieser Krieg hat wenig Schmutziges und Brutales ", heißt es in dem Buch.

Viele Informationen

für interessierte Laien

Der Alltag, zumal der Kriegsalltag, sah natürlich anders aus. Der Mensch kannte die ganze hässliche Bandbreite : vom Terrorkrieg über blutige Grenzstreitigkeiten bis hin zur landgreifenden Verwüstung. " Im Mittelalter war der Schritt vom Nicht-Kämpfer zum Kämpfer vergleichsweise gering : Jeder, der körperlich in der Lage war, einen Knüppel oder sonst eine einfache Waffe zu führen, war ein potenzieller Kämpfer ", schreibt Clauss.

Das deutet auf eine niedrige Hemmschwelle hin und untermauert eher den Eindruck des fehdefreudigen Mittelalters. Dabei entpuppt sich bei näherem Hinsehen mancher edle Ritter als übler Raufbold. Gelitten darunter haben alle Teile der Bevölkerung. In einer anonymisierten Geschichtsschreibung – im Stile : Karl der Große schlägt die Sachsen – fällt dies unter den Tisch.

Clauss bietet in seinem Büchlein viel Informationen. Es ist auch für interessierte Laien lesbar geschrieben und stellt als besonderen Service einige Begriffe nochmals extra in sogenannten Infoboxen vor.