Wittenberg ( dpa ). Philipp Melanchthon ( 1497-1560 ) und Lucas Cranach der Jüngere ( 1515-1586 ) haben in Wittenberg eine Ehebrecherin vor dem Tod bewahrt. Das geht aus einem jetzt entdeckten, rund 450 Jahre alten " Urfehdebuch " hervor, in dem die Fürsprache des Reformators und des Malers für die Frau dokumentiert ist. Demnach setzten sich beide beim Gericht für die Frau ein, die andernfalls zum Tode durch das Schwert verurteilt worden wäre.

In der 340 Seiten starken Handschrift mit Original-Ledereinband notierten die Wittenberger Gerichtsschreiber zwischen 1559 und 1689 eine große Zahl von Justizfällen, wie die Stadt gestern mitteilte.

Entlassene Gefangene sollten damals " Urfehde schwören ", also unter Eid versprechen, sich an niemandem zu rächen – weder am Gegner im Prozess noch an den Richtern oder der Gemeinde. Da Wittenberg, das heute in Sachsen-Anhalt liegt, bis 1815 zu Kursachsengehörte, istdasUrfehdebuch ein Dokument der kursächsischen Rechtsprechung. Es sei auch eine sensationelle Entdeckung zur deutschen Strafrechtsgeschichte des Reformationszeitalters, hieß es aus der Stadt.