Magdeburg. Die Wege aus der ganzen Welt führen zum Eckhaus an der Dresdner Prießnitzstraße und Bischofsweg. Dort ist das Geschäft von Theodor Lommatzsch, Südfrüchte, Kaffee, Zigarren, Liköre – Kolonialwaren. Auf dem Werbebild wird es von einer Karawane durch die Wüste angesteuert, und dies beflügelt die Fantasie von Andreas, dem kleinen Sohn des Inhabers.

Dessen Geschichte erzählt Peter Bieles jüngster Roman " Aus den Eckhaus ". Es sei, so verrät der Autor zur Buchpräsentation im Magdeburger Literaturhaus am Mittwoch, ein autobiografischer Roman. Es sind seine persönlichen Erinnerungen, seine Erlebnisse, es ist seine Zeit, von 1931 bis 1950. Peter Biele wurde wie sein Romanheld Andreas Lommatzsch 1931 in Dresden geboren.

Zu seiner Lesung hat der Schriftsteller und Schauspieler Ausschnitte gewählt, in denen man den Romanhelden durch seine Kindheits- und Schuljahre begleiten konnte in Situationen, die in ihrer Genauigkeit und Farbigkeit ein Geschichtspanorama entfalten. Andreas hört die Reden der Erwachsenen, er sieht die Leute im Laden der väterlichen Firma, er erlebt die Grund- und Realschuljahre mit den so unterschiedlichen Lehrern. Er ist auf der Suche und erlebt Verluste, und er sieht sich die ihm bekannten Menschen im Sturm der historischen Zeiten drehen.

Peter Biele gelingt es, in seiner wunderbaren, sowohl gefühlvoll-warmen wie auch pointiert-humorvollen Sprache die Vergangenheit mit ihren historischen Katastrophen so zu zeichnen, dass sie zu verstehen ist.

Dabei ist es das Lakonische des Alltags, wodurch die Geschichte so deutlich wird. Er hat diesen Roman seinen Enkeln gewidmet. Zu Beginn seiner Lesung sagte er, dass er die jüngste Vergangenheit, seine Vergangenheit, aufschreiben musste, die Zeit des Krieges und des Nachkrieges, weil er beobachtete, dass man eben der Generation seiner Enkel heute Verallgemeinerungen vorsetzt, die sich zwar wissenschaftlich nennen, aber letztlich doch nur Klischees sind.

Das Buch, gerade im goldenbogen verlag Dresden erschienen ( ISBN 978-3-932434-29-7 ), dürfte für alle Lesergenerationen spannende Lektüre sein, für die Älteren, die sich wiederfinden in den Ereignissen der Kriegs- und Nachkriegsjahre wie für die Jüngeren, die sich alle als Enkel fühlen dürfen.