In ihrem Debütroman "Flug- asche" hat Monika Maron 1981 über die Umweltverschmutzung in Bitterfeld geschrieben. Jetzt kehrte sie in die Stadt zurück und erzählt in "Bitterfelder Bogen" vom Niedergang und der Wiederauferstehung einer Region. Am Dienstagabend war sie zu Gast im Literaturhaus Magdeburg.

Von Grit Warnat

Magdeburg. Monika Maron hat in den 70er Jahren als Reporterin in Bitterfeld recherchiert und in ihrem Roman "Flugasche" über B. geschrieben. Dieses B. stand für Bitterfeld, auf das damals täglich 180 Tonnen Flugasche niedergingen. Maron hatte ihr Buch "Flugasche" genannt und Bitterfeld ein "gottserbärmliches Drecknest" . Die Einheimischen waren nicht gut auf sie zu sprechen.

Jetzt, 20 Jahre nach der Wende, hat Maron mit dem Bild einer verrußten, schwarzen Stadt erneut Bitterfeld-Wolfen besucht. Jetzt scheint auch hier die Sonne. Die Stadt hat sich verändert. Maron hat die Stadt zum zweiten mal zum Thema gemacht.

Überschrieben ist "Bitterfelder Bogen" mit "Ein Bericht". Für Maron ist es eine Reportage, ein Essay. Für jene, die das Buch gelesen haben, auch für manchen der Zuhörer im Literaturhaus ist es vor allem eine liebevolle Betrachtung dieser gebeutelten Region.

Denn Maron schreibt mit viel Sympathie und nicht minder viel Verständnis über die Menschen in Bitterfeld, Wolfen und Thalheim. Sie erzählt vom Niedergang der DDR-Großbetriebe, der Tausenden die Arbeit nahm. Sie erzählt aber vor allem von der Wiederauferstehung dieser Region, weil die Menschen vor Ort Kraft und Mut in die Zukunft dieses Standortes investiert haben.

Auch in ihrer Lesung setzt sie auf die persönlichen Lebensgeschichten, die sie in zwei Jahren recherchiert und aufgeschrieben hatte. Es waren die visionären Leidenschaften vieler Einzelner, denen oft nichts zugetraut wurde, durch die aber das spätere Weltunternehmen Q-Cells aus dem Boden gestampft werden konnte und im neuen Chemiepark Bitterfeld-Wolfen hunderte kleine Unternehmen entstanden.

Im vergangenen Jahr musste Q-Cells nach einem Milliardenverlust Arbeitsplätze streichen. Maron bleibt davon nicht unberührt, sagt sie auf eine Zuschauerfrage. "Ich schaue auf die Aktie und hoffe, dass es aufwärts geht." Für sie bleibe die Entwicklung in Bitterfeld-Wolfen eine Erfolgsgeschichte. "Es gibt hier so viele Wagemutige, Erfinder, Optimisten, Zähe. Warum stehen die so selten im Vordergrund?", fragt Maron. Zustimmendes Nicken im Publikum, das sich mit viel Beifall von der Deutschen Nationalpreisträgerin verabschiedet.