Von Helmut Rohm

Dessau-Roßlau. Den "Klang der Großstadt" erleben, aus verschiedenen Sichten und mit differenzierten inneren Befindlichkeiten der Komponisten, konnten die Gäste des Konzertes mit dem MDR-Sinfonieorchester zum diesjährigen Kurt-Weill-Fest am Sonntag-abend im Anhaltischen Theater Dessau. Mit dem Konzertthema "Stadt in der Musik" wollte das Festival auch den Bogen spannen zur Internationalen Bauausstellung "Stadtumbau" Sachsen-Anhalt 2010.

Der erste Konzertteil führte nach Paris. Das Publikum verfügte über zwei hoch prädestinierte "Stadtführer". Den englischen Komponisten Frederick Delius (1862-1934) mit "Paris. The Song of a Great City" (1899). Den Amerikaner George Gershwin (1898-1937) mit seinem wohl populärsten "Ein Amerikaner in Paris" (1928).

Deren konzertante "Erklärungen" überbrachte das in großer Besetzung agierende und mit erfrischend freudiger Spielkultur aufwartende MDR-Sinfonieorchester. Die englische Dirigentin Sian Edwards förderte und forderte ungemein agil die technisch brillante und bis ins letzte Detail überaus effektvoll stimmig ausbalancierte Präsentation.

Nach der Pause widmete sich das Orchester dem Festivalprotagonisten Kurt Weill. Auf dem Programm stand zunächst "Der neue Orpheus", eine Kantate für Sopran, Solovioline und Orchester aus dem Jahre 1925 nach einem Poem von Yvan Goll. Verschwunden war die mehrheitlich ausgelassene beschwingte Atmosphäre der beiden ersten Stücke. Schon die Besetzung, völlig ohne erste und zweite Violinen, überraschte das gespannt folgende Publikum. Und es wurde eine düstere bedrohliche Stimmung. Sie wurde geprägt durch die dramatisch erschütternden Erlebnisse des neuen Orpheus, der in den Moloch der modernen Großstadt (der 1920er Jahre) hinabstieg – und unterging. Faszinierend gestaltete sich der Auftritt der amerikanischen Sopranistin Marisol Montalvo, ihre emotionale Hingabe in die Rolle bis in die letzte Faser ihres Körpers. Ebenso bravourös spielte, im reizvollen musikalischen Dialog mit der Sängerin, die Konzertmeisterin des MDR-Sinfonieorchesters, Waltraut Wächter, die Solovioline.

Mit der Suite aus Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" (1927-1929) endete der vom Publikum begeistert aufgenommene Konzert-abend.