" Ein geschenkter Tag " ist eine kurzweilige Flucht in den Sommer. Fast spürt man den lauen Wind auf der Haut und sieht üppig blühende Landschaften vor dem inneren Auge. Doch der Roman der französischen Bestsellerautorin Anna Gavalda ist mehr. Er ist eine Reise in die Kindheit von Garance und ihren drei Geschwistern. Obwohl sie längst erwachsen sind und verschiedene Wege gehen, halten die vier unerschütterlich zusammen.

München ( dpa ). Mit ihrer Schwägerin Carine hat Garance nur wenig Gemeinsamkeiten. Die Apothekerin ist stets akkurat und für Garances ‘ Geschmack zu streng mit ihrem Bruder Simon. Garance hingegen ist unorganisiert, ledig und immer zu spät.

Weil aber die Hochzeit einer Cousine auf dem Land ansteht, muss Garance in den sauren Apfel beißen und im Auto der beiden mitfahren : " Ich saß noch nicht richtig, eine Pobacke in der Luft, die Hand an der Wagentür, da blaffte mich meine Schwägerin bereits an ", beschwert sie sich.

Doch die Aussicht auf ein Wiedersehen mit ihren Geschwistern Lola und Vincent lässt Garances Herz und das von Simon dann doch höherschlagen. " Die Familie kam wieder zusammen. Das Leben versuchte sich im Viererpuzzle. " Die Vorfreude hält nicht lange. Der jüngste Bruder Vincent taucht nicht auf. Also beschließen sie, Reißaus zu nehmen und statt der Hochzeit den Bruder zu besuchen. Die zickige Schwägerin lassen sie einfach zurück.

" Es war uns gelungen, den Alien aus dem Raumschiff zu kicken. Jetzt mussten wir nur noch das letzte Mitglied der Crew einsammeln ", freut sich Garance. Mit Vincent verbringen sie einen unbeschwerten Tag in einem alten französischen Schloss, wo dieser vorübergehend arbeitet.

Schnell ist die gemeinsame Zeit dann aber doch vorbei. Jeder für sich kehrt in sein eigenes Leben zurück. Garance in ihr Pariser Appartement, Simon in die Vorstadt zu seiner Frau und Lola zu ihrer Tochter, die über das Wochenende beim Vater ist.

" Die große Pause war zu Ende. Gleich würden die Glocken läuten. " " L ‘ échappée belle ", das bedeutet " schöne Flucht " und ist der französische Titel des nur 128 Seiten starken Buches.

Die 39-jährige Autorin bleibt darin ihrem leicht melancholischen Erzählstil treu, den sie beispielsweise in " Zusammen ist man weniger allein " ( 2005 ) entwickelte.

In dem Bestseller erzählt Gavalda von vier sehr unterschiedlichen Menschen, die sich mitten im Pariser Großstadtdschungel treffen. Schnell stellen sie fest, dass sie ohne einander nicht können – wie auch die Geschwister in " Ein geschenkter Tag ".

Anna Gavalda : Ein geschenkter Tag, Hanser Verlag, München 128 Seiten, 12, 90 Euro, ISBN 978-3-446-23489-5.