Als Johann Sebastian Bach ( 1685-1750 ) am Karfreitag 1729 in der Leipziger Thomaskirche seine Matthäuspassion zum ersten Mal aufführte, äußerte sich eine Kirchenbesucherin pikiert : " Behüte Gott ! Ist’s doch, als ob man in einer Opera Comedie wäre. " Dem Leipziger Magistrat war das Werk ebenfalls zu dramatisch, zu modern und zu lang. Er untersagte Bach, dessen Geburtstag sich morgen zum 325. Mal jährt, weitere Aufführungen.

Frankfurt am Main ( epd ). Die Stadtväter hatten etwas Schlichtes und Eingängiges im Stile Georg Philipp Telemanns erwartet. Und als der Musiker sich beschwerte, kürzte der Magistrat ihm die Bezüge.

Es erscheint wie ein Wunder, dass der von allen Seiten schikanierte Thomaskantor die Kraft fand, Schüler um sich zu sammeln und mit unverdrossenem schöpferischen Elan Passionen, Messen, Motetten, Orgel- und Klaviermusik, volkstümliche Kanons und Kirchenkantaten zu komponieren. Sie gelten heute als unvergängliche Meisterwerke, die die barocke Ära glanzvoll abschlossen und zugleich ein neues Zeitalter heraufführten. " Wer von uns was Rechtes kann, hat’s von ihm gelernt ", urteilte Wolfgang Amadeus Mozart.

Ständig Querelen

mit dem Stadtrat

Immer wieder geriet der fromme Lutheraner an Kirchenleute, die von einer zu " schönen ", zu verspielten oder zu prächtigen Kirchenmusik den heiligen Ernst des Gottesdienstes bedroht glaubten. Doch Bach sah gerade in der Sprache der Töne eine wunderbare Möglichkeit, Gott zu preisen und die Menschen auf den Glauben einzustimmen.

Geboren am 21. März 1685 in Eisenach, war er 1723 vom großen Rat der Stadt Leipzig zum Thomaskantor gewählt worden und damit zuständig für das gesamte Leipziger Musikleben. In 27 Jahren Dienstzeit gab es ständig Querelen mit dem Stadtrat, der Bach vergeblich " zu allem schuldigen Respekt und Gehorsam " verpflichten wollte. In dieser Zeit entstanden unter anderem die Johannes- und die Matthäuspassion, die " Kunst der Fuge " und die " Goldberg-Variationen ". Ganz offensichtlich hat Bach in der Musik zwar keinen Gottesbeweis, aber einen hervorragend geeigneten Weg zur Begegnung zwischen Mensch und Gott gesehen.

In seine Bibel hat er dort, wo die Einweihung des Jerusalemer Tempels mit Trompeten und Saitenspiel geschildert wird, folgende Randnotiz hineingekritzelt : " Bey einer andächtigen Musique ist allzeit Gott mit seiner Gnadengegenwart. "

Davon zeugt etwa die strahlende Gewissheit des Credos der h-moll-Messe, wo Paukenschläge und ein immer wieder neu zum Jubel ansetzender Chor die Auferstehung des zu Tode gemarterten Christus verkünden. Die bitterliche Selbstanklage des weinenden Petrus in der Matthäuspassion und der anschließende Choral " Bin ich gleich von dir gewichen, stell ich mich doch wieder ein " lassen ahnen, wie diese Musik ein Weltbild umstürzen und ein Herz verwandeln kann.

Er starb arm und wurde anonym bestattet

Die Passionen wie die Matthäuspassion sind Musterbeispiele für Bachs Kunst, das biblische Geschehen dem Publikum nahe zu bringen :

" Herr, bin ich’s ?", fragen die Jünger im Abendmahlssaal in hektisch aufeinanderfolgenden Einsätzen, fallen ängstlich und aufgeregt einander ins Wort, wollen von Jesus erfahren, wer ihn ans Messer liefern wird.

Der Hörer weiß es natürlich : Judas. Der breiteren Öffentlichkeit wurde die Matthäuspassion erst 1829 bekannt, als sie der 20-jährige Felix Mendelssohn-Bartholdy mit der Berliner Singakademie aufführte. Dieses Konzert gilt nicht nur als Wiederentdeckung eines bedeutenden Werkes, sondern war Anstoß zu einer regelrechten Bach-Renaissance.

Bach starb am 28. Juli 1750 in Leipzig an den Folgen eines Schlaganfalls, er war arm und wurde zunächst anonym bestattet.

Von den 20 Kindern aus zwei Ehen schlugen einige die Musikerlaufbahn ein, darunter Carl Philipp Emanuel. Heute befindet sich Johann Sebastian Bachs Grab in der Leipziger Thomaskirche.