Hamburg ( dpa ). Vor zwei Jahren sah die Welt noch ganz anders aus : Nach nur einer Folge setzte der Kölner Privatsender RTL die eigenproduzierte TV-Serie " Die Anwälte " mit Kai Wiesinger in der Hauptrolle wegen zu geringer Quoten ab. Der heute 43-jährige Schauspieler beschwerte sich öffentlich über die Notbremsung des Senders, RTL habe der Serie " keine Chance " gegeben, sie sei " weder so beworben worden, wie es sich für den Start einer großen Abendserie gehört, noch war der Programmplatz günstig gewählt ".

Wer aber glaubt, das Tischtuch zwischen RTL und Wiesinger sei damit zerschnitten, der täuscht sich. Denn kurz darauf drehte der Schauspieler für RTL den Fantasyfilm " Die Jagd nach der heiligen Lanze ", der am Donnerstag ( 20. 15 Uhr ) zu sehen ist.

Von einem tief sitzenden Stachel könne nicht die Rede sein, sagt Wiesinger. " Ich finde es prima von RTL, wenn der Sender sagt, mit dem Schauspieler werden wir wieder etwas produzieren. Das zeugt von Größe. " Und von Friede, Freude, Eierkuchen.

Daher haben RTL und Wiesinger für den unterhaltsamen Abenteuerfilm, der dramaturgisch ähnlich irrwitzige Züge wie " Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen " oder die drei Filme der Reihe " Crazy Race " trägt, nicht nur einvernehmlich den Schulterschluss geübt, sondern auch dieselbe Wortwahl getroffen : Beide reden von " bester Popcorn-Unterhaltung ". Zwei Stunden " Familien-TV ", in denen die gesamte deutsche Geschichte zwischen Goethe und Schiller an historischen Standorten quer durch die Republik eine gewichtige Rolle spielt.

Der 120-Minüter entführt das Publikum auf die Suche nach der heiligen Lanze, dem ältesten Stück der Reichskleinodien. Über die Klinge der Lanze floss einst das Blut Jesu Christi, als der römische Hauptmann Longinus damit dessen Tod am Kreuz überprüfte. Königen und Kaisern diente sie lange Zeit als Zeichen der Macht. Der Lanze wurde sogar nachgesagt, sie mache jeden Herrscher unbesiegbar, der sie besitzt. Zwar waren durch die Jahrhunderte eine Reihe von Kopien der Lanze in Umlauf, die " echte " heilige Lanze aus der Zeit Christi blieb jedoch verschollen bis RTL und Wiesinger kamen ...

Viel Aufwand für die Spezialeffekte

Die Geschichte beginnt mit dem Verschwinden von Museumsdirektor Professor Bachmann ( Hubert Mulzer ). Sein letztes Lebenszeichen ist eine Nachricht auf der Mailbox von Museumswissenschaftlerin Katharina Berthold ( Bettina Zimmermann ). Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Schatzsucher Eik Meiers ( Wiesinger ) heftet sich Katharina an die Fersen des Professors. Schnell wird klar, dass Bachmann im Verborgenen einem der größten Schätze und Mythen der Menschheitsgeschichte auf der Spur war : der heiligen Lanze. Doch der skrupellose Kunstsammler Baron von Hahn ( Jürgen Prochnow ) ist ebenfalls hinter dem Objekt der Begierde her.

Fünf Millionen Euro kostete der Film. Die Produzenten des " Event Movies ", wie RTL den Streifen nennt, sind Stefan Raiser und Felix Zackor. Regie führte Florian Baxmeyer, der für seinen Kurzfilm " Die rote Jacke " 2003 mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet wurde und ein Jahr später damit eine Oscar-Nominierung erhielt. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Derek Meister.

Viel Aufwand galt den Spezialeffekten : Mehr als 25 Mitarbeiter bauten Gewölbekeller, Gruften, antike Labors, Burgen und Tempelanlagen und verwendeten dafür 3800 Quadratmeter Holzplatten, 14 Kilometer Kantholz, 160 Kubikmeter Styropor, elf Tonnen Gips, 350 Liter Klebstoff und 1, 5 Tonnen Farbe.