Köln ( dpa ). Don DeLillo legt im Alter nur noch kurze Bücher vor. Das neue Werk des 73-Jährigen, " Der Omega-Punkt ", ist insgesamt vermutlich kürzer als allein das legendäre Eröffnungskapitel seines Mammutwerkes " Underworld " aus dem Jahr 1997.

Im " Omega-Punkt " bewegt sich DeLillo zwischen zwei geografischen Fixpunkten, dem New Yorker Museum of Modern Art und einer kalifornischen Wüste, reduziert seine Personengalerie auf drei Personen und lässt fast nichts mehr passieren.

Am Anfang steht eine Videoinstallation. Bei " 24 Hour Psycho " von Douglas Gordon wird der Hitchcock-Klassiker " Psycho " so verlangsamt gezeigt, dass er 24 Stunden dauert. Das schaut sich auch der ( wie De-Lillo ) 73-jährige Richard Elster an, der eine zeitlang die US-Regierung beim Irak-Krieg beraten hat.

Elster hat sich in die kalifornische Sonora-Wüste zurückgezogen, wo ihn der junge Dokumentarfilmer Jim Finley dazu bewegen will, vor der Kamera und einer nackten Wand ohne zeitliche Begrenzung Gedanken auszusprechen. Zwischen ihm und dem Filmer passiert im Buch so gut wie nichts. Erst als Elsters Tochter plötzlich auftaucht und genauso plötzlich wieder verschwindet, kommt ein Hauch von Handlung in die Geschichte.

Aber ist das überhaupt wichtig ? DeLillo interessieren die komplexen Bezüge zwischen Zeit und Wahrnehmung.

Die Lektüre dieses sorgsam durchkomponierten Büchleins mit bewusst blass gezeichneten Figuren und melancholischer Grundstimmung ist nicht leicht. Spannung kann sich nur erzeugen aus einer fast meditativen Beschäftigung mit dem Text.

Don DeLillo : Der Omega-Punkt, Kiepenheuer & Witsch, 112 S ., 16, 95 Euro, ISBN 978-3-462-04192-7