Uwe Lechelt trägt gern ärmellose T-Shirts. So kann jeder sehen, was auf seinen linken Oberarm tätowiert ist. " Shaky " ist da in geschwungener Schrift zu lesen, darunter ein Mikrofon. Shaky, so nennen die Fans von Shakin ‘ Stevens den britischen Sänger, der in den 1980 er Jahren mit Hits wie " Oh Julie " und " You drive me crazy " große Erfolge feierte. Uwe Lechelt ist Fan von ihm.

Radis ( ddp ). " Einer der größten Fans ", sagt der 43-Jährige selbstbewusst, während er in seinem Shaky-Zimmer sitzt, umringt von den Schätzen, die er in den vergangenen 30 Jahren zusammengetragen hat.

1052 Tonträger nennt der gebürtige Wittenberger sein Eigen. Dazu gehören Schallplatten, CDs, Kassetten und Videos. Manch eine Rarität ist dabei. An den Wänden hängen Poster und Fotos, auf denen er Arm in Arm mit Shakin ‘ Stevens zu sehen ist.

Akribisch hat der zweifache Familienvater sein Fanleben dokumentiert. " Im Oktober 1980 sah ich im Fernsehen die Sendung ‚ Musikladen ‘ und erlebte ihn das erste Mal. Es war fast so, wie wenn man seine erste Liebe trifft. " Die weißen Schuhe, die zerfetzte Jeansjacke, die Bewegungen, der Tanzstil – alles faszinierte den damals 14-Jährigen.

Auch Uwe trug fortan nur noch weiße Schuhe. " Turnschuhe, andere gab es nicht. " 1987 sah er sein Idol das erste Mal live in Berlin. Irgendwie hatten seine Eltern es geschafft, für dieses Konzert anlässlich der 750-Jahr-Feier von Berlin Karten zu besorgen. Ein Traum ging für den inzwischen 21-Jährigen in Erfüllung.

Lechelt träumte weiter, tauschte Ost- in D-Mark zum Kurs 8 : 1, nur um sich Platten besorgen zu können. " Umgerechnet 180 Mark habe ich damals für eine Platte ausgegeben ", sagt er.

Als 1989 seine Tochter zur Welt kommt, ist für Uwe Lechelt klar, sie soll Shirley heißen, nach einem gleichnamigen Hit des Sängers. Doch dem DDR-Standesamt ist der Name zu westlich. Erst als der gelernte Maurer einen Sprachwissenschaftler präsentiert, darf er seine Tochter so nennen. Mit der Wende gewinnen Lechelts Träume an Fahrt.

" 1993 zum Hessentag in Lich habe ich am Hintereingang auf Shaky gewartet und ein Plakat hochgehoben. Das hat er gesehen und ist rausgekommen. " Ein Foto dokumentiert diesen Augenblick. " Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke. " Es sollte nicht die einzige Begegnung bleiben.

35 Konzerte hat er inzwischen besucht

Uwe Lechelt reiste zu Konzerten in England, Polen, Österreich und Dänemark. " Dabei habe ich immer den Anspruch, möglichst in der ersten Reihe zu stehen. " Aber er sei kein verrückter Fan, betont der Mann aus Radis. Er respektiere die Privatsphäre seines Idols. Doch Treffen mit Shaky – das sind auch nach 30 Fanjahren noch immer unvergessliche Höhepunkte. Wie viele Stunden er dafür an Hintertüren gestanden hat, weiß Lechelt nicht mehr. Was er sofort wusste, war der Name seines 1999 geboren Sohnes. Steve heißt er – eine Kurzform von Steven.

Obwohl der 43-jährige Uwe nach einem schweren Sportunfall gesundheitlich angeschlagen ist, lebt er seinen Traum weiter, hat diesen auch zu Papier gebracht. " Ein gelebter Traum " heißt sein Erstlingswerk, in dem er seine ganz persönlichen Erlebnisse als Fan schildert. Was nun noch kommt ? 35 Konzerte hat Lechelt besucht, so steht es im akkurat geführten Fotobuch. Nun will er kürzertreten. So richtig glauben will seine Familie das nicht. Denn im Juni reist er nach Halle. Dann ist Shakin ‘ Stevens Gast bei den Händels Open. Im Juli hat Uwe zu einem Fantreffen zu sich nach Hause eingeladen.

Und dann gibt es noch die eine oder andere Rarität im Internet zu ersteigern. Wie viel Geld er schon für Shaky ausgegeben hat ? Uwe zuckt mit der Schulter. " Ein Kleinwagen ist es bestimmt schon ", sagt er lächelnd.