Tangermünde. Die 10. Klasse des Tangermünder Diesterweg-Gymnasiums ist mucksmäuschenstill. Die Geschichte von " Bomber " fesselt und wühlt auf. " Bomber " ist der Held des gleichnamigen Klassenzimmertheaterstücks, dessen Premiere die Schüler erlebten.

Regisseur Jens Zimmermann inszenierte für das Theater der Altmark das preisgekrönte Stück des Berliner Autoren Dirk Dobbrow. Es ist die Geschichte einer ersten Liebe im Zeitalter von AIDS, die ab jetzt an vielen Schulen der Region erzählt werden soll.

Bomber hat es nicht leicht. Zu Hause zwingt ihn der Vater zum prolligen Muskeltraining. Zur Clique mit ihren Suff- und Drogenpartys will er dazugehören und ist doch oft nur Zuschauer, etwa dann, wenn die Jungs den Mädchen unter die Bluse langen oder sein Idol Stefan Held, inmitten der Partymeute Sex mit seiner Freundin hat. " Sex ist das Geilste !", ruft Bomber aus, um es dann leise, nachdenklich und in sich gekehrt zu wiederholen.

Jan Kittmann beherrscht im Ein-Mann-Stück seinen emotionsgeladenen Monolog hervorragend. Ihm genügen in der Atmosphäre des Klassenzimmers eine Matratze auf dem Lehrertisch und eingespielte Musikfetzen vom Band. Der junge Schauspieler lässt Theater " im Kopf " ablaufen. Kittmann ist der Teenager, der mithalten will und sich auf eine " Wer-kriegt-sie-als-erster-ins-Bett-Wette einlässt. Er spielt den Bekifften und den überschwänglich von einem Mädchen Schwärmenden. Er versteht es, mimisch und sprachlich weitere Figuren zu zeichnen – Aufschneider Held etwa und Mona, jenes Mädchen, in das Bomber verliebt ist.

Die Zuschauer

werden mitgenommen

Mit wiedergegebenen Dialogen und körperbetontem Spiel nimmt Kittmann die Zuschauer mit auf Partys, ins Schwimmbad, in sein trostloses Zuhause. Er nimmt sie auch mit an seinen geheimen Ort, wo er sich mit Mona trifft, mit der ihn zarte Bande und Träume von Ferne, von Himmel und Meer und Luft verbinden - jener Ort, wo der Bomber mit Mona schlafen möchte. Doch längst hat sich ein Schatten über die junge Liebe gelegt – Mona hat AIDS.

Das Stück im Klassenzimmer erhebt nicht den moralischen Zeigefinger. Trotz aller auf- und abwogenden Emotionen dringt Sachlichkeit durch, scheinbar folgerichtig nimmt die Tragödie ihren Lauf.

Ein gutes Stück, um Jugendliche für das Thema AIDS zu sensibilisieren und glechzeitig an Theaterkunst heranzuführen.