Beckys Situation scheint festgefahren : Die 14-Jährige lebt mit ihrer alkoholabhängigen Mutter und den drei kleineren Geschwistern in einer Hochhaussiedlung in einer nicht näher definierten deutschen Großstadt. Becky ( Michelle Barthel ) ist ein Aschenputtel, das auf den Prinzen wartet – im Sozialmärchen " Keine Angst ", das heute ab 20. 15 Uhr in der ARD zu sehen ist, tritt dann tatsächlich der Retter in Erscheinung.

Hamburg ( dpa ). Jeden Tag hetzt Becky von der Schule nach Hause und muss sich da um ihre Geschwister kümmern, weil die Mutter oft betrunken im Bett liegt oder mit glasigen Augen vor dem Fernseher hockt.

Ein Zufall bringt aber dann den ersehnten Retter ins Spiel. Er heißt Bente ( Max Hegewald ), ist ein netter Junge und nicht aus Beckys Viertel. Er nimmt denselben Bus zur Schule. Als sich plötzlich Kontrolleure die Passagiere vorknöpfen, schanzt Bente Becky sein Ticket zu und zahlt selbst die Schwarzfahrer-Strafe. Worte wechseln sie nicht. Erst später folgt sie seiner Spur und tritt in eine fremde Welt ein : Bente, etwas schüchtern, pflegt seinen Gecko in einem eigenen großen Zimmer, die Eltern laden Becky zum Essen ein.

Die 14-Jährige ist hin und weg, sie ist verliebt. Ihre beste Freundin, Melanie ( Carolyn Sophia Genzkow ), die sich der rauen Kultur des Viertels und vor allem den männlichen Mitbewohnern angeschlossen hat, lacht sie aus. Doch mitten in die Hoffnung, die Becky gefangen hält, bricht an ihrem Geburtstag die Katastrophe herein. Ihre Mutter ( Dagmar Leesch ) hat einen neuen Freund, Thomas ( Frank Giering ), kurz vorher noch der Partner von Melanies Mutter, soll der neue Papa werden, die Familie vorm Zerfall bewahren und das Jugendamt damit fernhalten.

Doch entgegen seinen Beteuerungen, es ernst zu meinen, treibt Thomas die kleine Familie endgültig in den Abgrund. Kann Bente ihr in ihrer verzweifelten Lage noch helfen ? Der Junge hat seine eigenen Probleme : Seine Eltern wollen ihn in ein Internat verfrachten, doch Bente weigert sich, denn er hat seinerseits nur noch eine im Auge : Becky.

Gewalt, Drogen und Perspektivlosigkeit
Regisseurin Aelrun Goette, die Erfahrung mit Dokumentationen und Filmen aus schwierigen sozialen Milieus hat (" Die Kinder sind tot "), spricht von einer " kraftvollen Liebesgeschichte ", die sich zwischen Becky und Bente entwickelt. Goette hofft, dass der emotionale Funke auch auf das Publikum überspringt. Sie kenne " die Welt, in der der Film spielt, von innen, ich weiß, wie sie klingt, riecht und schmeckt. " In dieser Welt gebe es Gewalt, Drogen und Perspektivlosigkeit genauso wie eine " unbändige Kraft " und Zusammenhalt, besonders unter Jugendlichen. Gedreht wurde in Kölner Problemvierteln wie Meschenich und Chorweiler. Dort sei ein Film-Auto aufgebrochen und die Mitarbeiter beschimpft worden.

Die ARD bringt an Mittwochabenden unterschiedliche Stoffe – Komödien, Krimis und gelegentlich mal Sozialstudien. Letztere seien " die große Chance des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, einem großen Publikum die Lebensrealität nahezubringen ", sagt Goette. Leider, so die Regisseurin, fänden viele junge Leute, die der Film im Grunde betreffe, gar nicht zur ARD. " Eine No-win-Situation ", meint sie.

Goette, die nach vielen Dokumentationen erst 2005 mit " Unter dem Eis " ihren ersten Spielfilm drehte, arbeitet bereits als Autorin und Regisseurin am nächsten Projekt : " I don ‘ t like Mondays " heißt der Arbeitstitel des Dramas, das sich mit den Folgen eines Amoklaufs befasst. Auftraggeber ist wieder der Westdeutsche Rundfunk.