Zweifellos, die aktuelle Ausstellung in der Magdeburger Galerie " Himmelreich " ( Breiter Weg 213 ) gehört in diesem Jahr zum Muss für Freunde der figürlichen Plastik. Noch bis zum 1. April werden dort Arbeiten des Hallenser Bildhauers Gerhard Lichtenfeld vorgestellt. Ein aussagekräftiger Querschnitt aus dem gesamten Werk eines Mannes, der die Burg Giebichenstein entscheidend mitprägte, ist zu sehen.

Magdeburg. Seine Objekte finden sich vor allem im einstigen Bezirk Halle im öffentlichen Raum. Darunter sind die zahlreiche Brunnen und – inzwischen abgerissenen – " Fäuste " im Zentrum der Saalestadt. Andere Arbeiten fanden Eingang in viele Sammlungen und Museen in Ostdeutschland. So kommen die Plastiken und Zeichnungen im " Himmelreich " aus dem Nachlass des Künstlers sowie aus den Beständen des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg und der Moritzburg in Halle.

Der 1921 geborene Lichtenfeld studierte zwischen 1942 und 1945 Rechtswissenschaft an der Martin-Luther-Universität. Zuvor war ihm nach einem Unfall der linke Unterarm amputiert worden. Diesen Schicksalsschlag wollte er immer bestmöglich überwinden, versuchte so gut es ging, seine Projekte weitestgehend allein zu bewältigen. Nach einer kurzen Zeit als Bauhilfsarbeiter ging Lichtenfeld 1946 an das Institut für künstlerische Werkgestaltung Burg Giebichenstein und studierte bis 1952 bei Gustav Weidanz, dessen Assistent er für vier Jahre blieb. Schließlich übertrug man ihm 1959 die Leitung der Bildhauerklasse. 1974 erhielt der Künstler den Nationalpreis der DDR.

Es war vor allem der Bronzeguss, der es Gerhard Lichtenfeld angetan hatte. Die Plastiken goss er zum Teil selbst in der hochschuleigenen Gießerei. Und zugleich galt sein Interesse, ganz in der Tradition von Gustav Weidanz, den Medaillen. Einige davon sind in der Himmelreich-Ausstellung zu sehen. Genau an seinem 57. Geburtstag starb Lichtenfeld in Halle.

Die Magdeburger Schau beeindruckt durch die pralle Lebensfreude aller gezeigten Stücke. Mit der Treue zur Figürlichkeit gehört Lichtenfeld zu den unbestritten wichtigen Vertretern der ostdeutschen Bildhauerei. Der " Raub der Europa ", ein Entwurf für einen Brunnen, zeigt eine selbstbewusste Dame vor dem Stier, der sich eher friedlich gibt. Da stimmen Proportionen, Natürlichkeit und die Anlehnung an ein klassisches Thema schließen einander nicht aus. Von eigentümlicher Schönheit ist das " Mädchen aus Samarkand ". Er wird das Modell wohl auf seiner Reise durch die Sowjetunion entdeckt haben. Klare Linien und eine lebendige Offenheit prägen das Porträt.

Lichtenfeld hat sich häufig auf den weiblichen Körper konzentriert. Seine Aktdarstellungen und auch andere Figuren entstanden schnörkellos, sie entfalten ihre Eigendynamik aus sich heraus. Der scheinbar distanzierte Schöpfer setzt auf die Natürlichkeit des menschlichen Körpers. So finden sich weibliche Akte auch auf einer Reihe Medaillen. Porträts bedeutender Persönlichkeiten haben dort ebenfalls ihren Platz. Bei ihnen gelingt es dem Medailleur filigrane und zugleich ausdrucksstarke Abbildungen zu schaffen.