1969 erschien im Kinderbuchverlag der DDR Hannes Hüttners Kinderbuch "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt" mit zauberhaften Illustrationen von Gerhard Lahr. Das Buch wurde zum Lieblingsbuch in zahllosen Kinderzimmern und zum neu aufgelegten Klassiker. Pierre Schäfer hat die Geschichte nun fürs Puppentheater bearbeitet und in Magdeburg inszeniert.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Dass es bei der Freiwilligen Feuerwehr Bu- ckau Kaffee gibt, den der Chef Kurt persönlich gekocht hat, liegt daran, dass dieser Geburtstag hat. Nis Søgaard spielt den Chef, und seine Feuerwehrhauptleute Schulze und Meier sind Inga Schmidt und Ulli Voland. Die Kameraden haben eine Überraschung vorbereitet. Zum 35. Geburtstag bekommt er eine Neuauflage des Kinderbuches "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt" und ein Modellfeuerwehrauto, den historischen Einsatzwagen CP 27-10 samt Besatzung in Puppengröße.

Dass auch 35-Jährige mit Feuerwehrautos spielen, steht außer Frage. Alle sind begeistert über die nachgebauten Details, die Leiter mit Kranhaken, das Blaulicht und den Schlauch mit dazugehörigem "Druckstrahlrohr".

"Sag niemals Spritze", wurden die Besucher belehrt, "Spritzen gibt es beim Arzt!" Alle Feuerwehr-begeisterten Eltern und Kinder konnten hier schon einiges erfahren über die wunderbare Rettungstechnik, auch wenn diese bereits historischen Wert hat.

Und weil es in Buckau sicher ist, hat die Freiwillige Feuerwehr Zeit, das große Spielzeug auszuprobieren. Da nämlich klingelt das Telefon, weil bei Oma Eierschecke die Wohnung brennt. Schnell entsteht in der Feuerwache das brennende Hochhaus, in dem die Oma die Backofentür offen gelassen hatte und der Ofengrill das Backpapier entzündete. Die Feuerwehrleute kommen noch rechtzeitig, um alles zum Guten zu wenden, aber der Kaffee ist inzwischen kalt geworden. Auch dem nächsten Kaffee ist dasselbe beschieden. Bald muss Emil Zahnlücke aus dem See gerettet werden, dessen Eisdecke seinen Schlittschuhsprüngen nicht standhielt, und dann ist vor die Futterküche im Magdeburger Zoo die alte Linde gekracht, die der Sturm gefällt hat.

Zauberhafte Verwandlungen

Ingo Mewes und Frank A. Engel haben wunderschöne Puppen gebaut, an deren fabelhaften Fähigkeiten sich Spieler wie Zuschauer erfreuen. Auf der Bühne wurden zauberhafte Verwandlungen erfunden, die ein Spiel möglich machen, das gleichermaßen lehrreich und ernsthaft wie auch fröhlich ist. Dabei ist etwas wirklich Wunderbares gelungen. Das Puppenspiel im Spiel ist vollkommen glaubwürdig, lebendig, genau und leistet alles, was Spiel im Idealfall bringen kann unterschiedslos für Menschen jeden Alters.

Darüber hinaus haben Regisseur, Autor und Spieler viele kleine Gags speziell für die Erwachsenen gefunden, etwa, wenn der Zootierkoch sächsisch wie im Zoofernsehoriginal spricht, oder mit dem gefährlichen Eislauf der Olympiade eine kleine Referenz erwiesen wird. Diese aber, dezent und witzig, stören den Kinderspaß nicht. Das ist selten so gut gelungen.

Am Ende gibt es wieder heißen Kaffee und eine ansehnliche Geburtstagstorte, aber - nun klingelt es wieder. Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Buckau wird der Kaffee kalt …