Der gebürtige Taiwanese Kimbo Ishii-Eto hat gestern seinen Vertrag als Generalmusikdirektor am Theater Magdeburg unterzeichnet. Er wird das Amt am 1. Dezember 2010 antreten. Der Vertrag gilt zunächst bis zum 31. Juli 2014.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Generalintendantin Karen Stone hat sich die Auswahl eines neuen Generalmusikdirektors für das Theater Magdeburg nicht leicht gemacht. Die Stelle wurde vakant, als Francesco Corti zum Spielzeitende 2009 das Theater verließ, und in der laufenden Spielzeit wurden und werden Gäste die Magdeburgische Philharmonie dirigieren. Einer dieser Gäste, der am 8. und 9. Oktober das 2. Sinfoniekonzert der Magdeburgischen Philharmonie leitete, war Kimbo Ishii-Eto. Er hatte damals viel Applaus bekommen, insbesondere für Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 1 D-Dur. Auf Ishii-Eto fiel schließlich die Wahl der Intendantin, und er hat auch von den Musikern des Orchesters die meisten Pluspunkte bekommen.

Kimbo Ishii-Eto ist 1967 in Taiwan geboren, verbrachte seine Kindheit in Japan, wurde mit 12 Jahren Gymnasiast in Wien und studierte nach dem Abitur in New York, zuerst Violine bei Dorothy DeLay an der Juilliard School, dann Dirigieren bei Michael Charry. Während seiner Studienzeit waren Arbeiten mit Sir Simon Rattle und Seji Ozawa prägend, und in seiner Vita sind neben Auftritten bei renommierten Festivals auch Preise verschiedener Dirigierwettbewerbe zu lesen.

Inzwischen ist er bekannt an den Pulten von Orchestern in aller Welt. Seit 2008 ist er Music Director und Dirigent des Symphony Orchestra im texanischen Amarillo, zuvor leitete er ein Kammerorchester in Ithaca/New York. Er ist regelmäßiger Gast bei bekannten japanischen Orchestern wie etwa dem weltberühmten NHK Symphony Orchestra, bei den Symphonikern von Osaka und Sapporo. Auch das Taiwan National Symphony Orchestra und das China Broadcast Symphonie Orchestra leitete er.

In Deutschland wurde er durch seine Tätigkeit an der Komischen Oper Berlin bekannt, wo er von 2006 bis 2008 Kapellmeister war und zahlreiche Opern dirigierte.

"Für mich ist es ein wirklicher Luxus. dass ich die so verschiedenen Orchesterkulturen kenne und mich mit denen auseinandersetzen kann", sagte Kimbo Ishii-Eto beim gestrigen Pressegespräch. "In Deutschland, und so habe ich es auch im Oktober bei der Magdeburgischen Philharmonie erlebt, kann man all die feinen Nuancen eines Musikwerkes sehr schnell erarbeiten, die Dynamik, feinste Schwankungen in den Tempi oder die verschiedenen Farbnuancen des Orchesterklanges. Als ich die Mahlersinfonie in Magdeburg probierte, hatte ich damit gerechnet, für eine bestimmte, sehr wichtige Stelle über zehn Minuten zu brauchen, aber die Musiker haben es sofort mitgekriegt. Es gibt ein unbeschreibbares Timing in der Musik, und das beherrschen die Magdeburger Musiker."

Zeitgenössische Musik im Programm

Für das Programm der künftigen Sinfoniekonzerte ist für Kimbo Ishii-Eto die rechte Vielfalt, eine Variationenbreite der Stile wichtig. Dazu gehöre auch die Wahrnehmung der zeitgenössischen Musik. In allen Orchestern weltweit, die er kennengelernt habe, würden zeitgenössische Stücke in die Programme mit aufgenommen. Das wolle er auch hier so halten, ohne das Publikum oder die Musiker zu überfordern. Auch wenn ein neues Musikstück nachher nicht unbedingt in das ganz große Repertoire aufgenommen werde, sagte er, so ist es doch interessant und wichtig zu wissen, was neu entsteht und alle Richtungen der Musik wahrzunehmen, vorausgesetzt allerdings, die Neue Musik würde in den Ohren nicht schmerzen.

Für das Musiktheater, Ballett und Schauspiel, so erfuhr man es auch von Karen Stone, wird eine enge Zusammenarbeit mit dem Orchester angestrebt. Es gibt bereits Vorhaben für spartenübergreifende Projekte, etwa einen Abend mit Oper und Ballett. Auch die 200. Geburtstage von Wagner und Verdi 2013 werden schon geplant.

"Ich möchte aber auch die Oper des 20. Jahrhunderts in das Repertoire aufnehmen, und vielleicht werde ich", so der designierte Dirigent, "die beiden Einakter von Zemlinsky ,Der Zwerg’ und ,Eine florentinische Komödie’ nach Magdeburg holen." Ishii-Eto hatte diese Opern in Berlin mit großem Erfolg gespielt. Zu seinen Wunschopern gehören "Jenufa" von Janacek und "Pique Dame" von Tschaikowski, zu den Lieblingskomponisten Poulenc, Ravel, Rimski-Korsakow und viele andere.

Zum 4. Sinfoniekonzert der neuen Saison im Dezember werden ihn die Magdeburger wiederhören.