Freudestrahlend klingelte meine Freundin Paula an der Wohnungstür. "Du, die Traummänner zum Selberbacken sind ausverkauft. Die hatten im Buchladen mit den Förmchen und Rezepten reißenden Absatz. Da gibt es offenbar einen Bedarf", sagte sie süffisant. "Und warum strahlst du dann so?", fragte ich. Stolz präsentierte mir Paula Omas Backbuch mit Anleitungen für so ziemlich alle Fälle. Dass aber Oma auch für diesen Fall gerüstet gewesen sein soll, wagte ich zu bezweifeln. "Je oller, je doller", feixte Paula. Aber da hatte sie Oma wohl doch überschätzt.

Dafür fanden wir die Zutatenlisten für Plunderstücke (nomen est omen – also lieber nicht), Sandkuchen (akute Gefahr des Durch-die-Finger-Rinnens) und Biskuit (anschließend mit Früchtchen zu belegen, das fehlte noch).

Wie wäre es mit Hefeteig? Den können wir nach Belieben süß oder herzhaft anrühren, so richtig durchwalken, mit dem Nudelholz bearbeiten, dosiert gehen lassen und ihm dann einheizen, bis er innen luftig-locker und außen knusper-zart ist. "Mit Zucker sollten wir sparen", schlug ich vor. "Aber eine ordentliche Prise Salz und etwas Chili für eine gewisse Grundschärfe sollten schon sein."

Die frische Hefe in warme Milch gequirlt, mit den anderen Zutaten vermengt, geknetet, zur Kugel geformt und schließlich ausgerollt, lag die nahrhafte Masse vor uns. Wir mussten sie nur noch in die erträumte Form bringen. Mit geschickten Fingern machte sich Paula ans Werk.

Dann lag das Prachtexemplar auf dem Blech, schön warm eingepackt, um den Stoffwechsel der kleinen Schlauchpilze in seinem Inneren anzukurbeln. Während wir nun warteten, wie sich der Bursche gehen ließ, erzählte Paula von ihrem letzten Date: Paul, sie hat ihn bei der Endlich-wieder-Single-Party einer Kollegin kennengelernt. Der Graugeschläfte habe sie hyperintellektuell angebaggert und dann auch noch die Muckis in Szene gesetzt, da habe sie seine Einladung zum Kaffee einfach nicht ausschlagen können.

"Und warum backen wir dann jetzt?", fragte ich. "Weil ich den Kaffee kochen sollte", sagte Paula. Was daran nun schlimm sei, wollte ich wissen. "Das allein nicht", sagte sie. Doch beim Betreten des Flurs sei sie über Pauls Staubsauger gestürzt. Und das Saugen wäre auch bitter nötig gewesen. Sie habe sich kaum zu atmen getraut, aus Angst vor akuter Staublunge. Und dann habe Paul auch noch auf ihre Oberweite geglotzt und gesagt: "Ein bisschen klein, aber da kann man heutzutage ja was dran machen." Paula schniefte: "Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie schnell ich den Rückwärtsgang eingelegt habe. Der will nicht mich, sondern eine Putzlappen schwingende Sexbombe!" Zu Hause habe sie dann Kaffee gekocht, ohne Staublungengefahr, und sei zumindest für einen Moment sehr erleichtert gewesen, allein zu sein.

Inzwischen war unser Blechkuchen-MoM (Mann ohne Macken) schön aufgegangen. Rein mit ihm in den Ofen, Klappe zu. "Wir sollten ihm einen Namen geben", schlug ich vor. "Alles außer Paul", sagte meine Freundin im Brustton höchster Verachtung. "Wer ist Paul?", stimmte ich zu. "Wie wär’s mit Harry? Ein bisschen Zauber kann nicht schaden." "Magie plus Abenteuer", schwärmte Paula. "Wir wollen ihn noch etwas bauchpinseln und mit frischem Kaffee taufen", sagte ich, als wir das Blech aus dem Ofen holten. Nach dem Erinnerungsfoto von uns dreien per Selbstauslöser machten wir uns über den noch heißen Harry her.