London (dpa). Der Österreicher Christoph Waltz triumphierte wieder, und Starregisseur James Cameron verlor mit seinem Science-Fiction-Spektakel "Avatar" haushoch gegen seine Ex-Frau: Bei der Verleihung der britischen Bafta-Filmpreise wurde Waltz am Sonntagabend in London als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Das Irak-Drama "Tödliches Kommando" von US-Regisseurin und Camerons geschiedener Frau Kathryn Bigelow räumte derweil sechs Preise ab, darunter als bester Film und für die beste Regie. Der Kriegsfilm hängte damit den großen Favoriten "Avatar" weit ab, der sich mit zwei Auszeichnungen begnügen musste. Enttäuschend war der Abend für die Macher des deutsch-österreichischen Films "Das weiße Band": Das Drama von Michael Haneke war als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert, ging aber leer aus. Der Schwarz-Weiß Streifen, der auch für einen Oscar nominiert ist, verlor gegen das französische Gefängnisdrama "A Prophet".

Waltz ist nach seiner Rolle als charmant-zynischer SS-Mann in der Kriegsgroteske "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino auf Siegeszug – einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung hat er schon in der Tasche. "Wunderschön, grandios", sagte der 53-Jährige andächtig, als er nun den Bafta entgegennahm. "Ich war mal ein Schauspieler, der sich in London abgestrampelt hat, und ich musste wieder nach Deutschland, weil ich keinen Fuß auf den Boden bekommen habe und nicht unbedingt Kellner sein wollte", erzählte er später. "Für das hier zurückzukommen, ist unglaublich."

Zu der Nazi-Rolle sagte er: Es sei Zeit gewesen, mit dem "stupiden und langweiligen Klischee, dass alle Nazis gleich waren", aufzuräumen. "Sie waren immer noch Menschen, das macht sie so gefährlich und auch interessant."

Waltz setzte sich gegen Schauspieler wie Alec Baldwin ("Wenn Liebe so einfach wäre"), Stanley Tucci ("In meinem Himmel") und Christian McKay ("Me And Orson Welles") durch.

Der Blockbuster und Oscar-Anwärter "Avatar" von "Titanic"-Regisseur Cameron war wie "Tödliches Kommando" achtmal nominiert, gewann aber nur zweimal: In den relativ unwichtigen Kategorien bestes Produktionsdesign und beste Spezialeffekte.

Eine Überraschung gab es in der Kategorie beste Hauptdarstellerin. Hier triumphierte die britische Nachwuchsschauspielerin Carey Mulligan aus "An Education". Die 24-Jährige, die bereits als neue Audrey Hepburn gehandelt wird, setzte sich damit gegen Schwergewichte wie Meryl Streep oder Audrey Tatou durch. Bester Hauptdarsteller wurde der Brite Colin Firth (49), der im Debütfilm von Designer Tom Ford, "A Single Man", mitspielt. "Ich bin jetzt besser gepflegt und dufte besser", scherzte er in seiner Dankesrede in Anspielung auf den Designer-Regisseur.

Regiepreis ging erstmals an eine Frau

Cameron schaute derweil zu, wie der Film seiner Ex-Frau einen Preis nach dem anderen abräumte – beide treten auch bei den Oscars gegeneinander an. Mit Bigelow gewann zum ersten Mal in der Bafta-Geschichte eine Frau den Regiepreis. "Meine Hoffnung ist, dass dieser Film ein Ende des (Irak-)Konflikts bringt", sagte die 58-jährige Amerikanerin. Sie hoffe zudem, dass in Hollywood nun mehr Frauen zum Zug kämen. Konkurrenz zwischen ihr und ihrem Ex-Mann gebe es nicht: "Wir sind stolz auf uns."

Prinz William trat am Abend als neuer Präsident der renommierten Filmpreise die Nachfolge des Regisseurs Richard Attenborough ("Gandhi") an. Der Zweite in der britischen Thronfolge überreichte der Schauspielerin Vanessa Redgrave am Ende des Abends einen Preis für ihr Lebenswerk. Diese Ehre wurden schon Charlie Chaplin und Alfred Hitchcock zuteil. Redgrave machte dann auch – mit Tränen in den Augen – einen artigen Knicks vor dem Prinzen.

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