Als Magdeburg noch nicht den Namen Otto führte, warb die Stadt mit dem Slogan: Magdeburg überrascht. Das Theater will das weiterhin tun, und zwar zunächst am 27. Februar mit der Premiere von zwei kleinen Opern, die in einer noch nie dagewesenen Verknüpfung gezeigt werden.

Von Gisela Begrich

Magdeburg. Puccinis populären "Gianni Schicchi" verbandelt die Crew um Regisseur Aron Stiehl (musikalische Leitung: Johannes Stert) mit einem Opus aus der Feder von Nino Rota, einem Komponisten, den man hierzulande durch Filmmusiken kennt – für Fellini, Visconti oder Zeffirelli. "Nacht der Ängste" heißt das kleine Werk von Rota, das an einem deutschen Opernhaus noch nie aufgeführt wurde. "Wir bieten da dem Publikum eine echte Entdeckung und eine heitere dazu. Zur Faschingszeit wollen wir dem Spaß zu seinem Recht verhelfen. Beide Stücke verbinden italienische Lebenslust, Temperament, Spritzigkeit und Fröhlichkeit", erzählt der Regisseur.

Im Zentrum beider Geschichten steht ein Bett: Im ersten Teil des Abends eines, in dem sich einer schlaflos wälzt, im zweiten Teil ein Bett, in dem sich einer sterbend stellt. Der scheinbar Todkranke ist Gianni Schicchi, gespielt und gesungen von Bruno Balmelli. Der kommt als Gast von der Deutschen Oper am Rhein, also aus Düsseldorf, in die Börde-Metropole und lässt sich im Gespräch nicht lange bitten.

Lebhaft plaudernd sagt er über die Arbeit am hiesigen Theater einen Satz, der Magdeburger Opernfreunde sicher freut: "Die Qualität und das Team müssen stimmen. Dann ist es egal, wo man arbeitet." Und die Rolle des Gianni Schicchi, die begeistert ihn ganz offensichtlich. Fantasie habe dieser Kerl. Er sei ein erfinderischer Typ, kein Gauner. "Er muss Gerechtigkeit schaffen, und das tut er auf seine Weise. Humor und eine große Leichtigkeit verschaffen ihm viel Sympathie beim Publikum." Regisseur Stiehl ergänzt aus seiner Sicht: "Man darf Schicchi keinesfalls der Lächerlichkeit preisgeben. Handlung und Puccinis Musik geben eine psychologische Personenführung vor. Karikiert werden nur die Verwandten."

Musik bebildert Schritte wie im Trickfilm

Der Schlaflose in Rotas Oper trägt den wunderlichen Namen Nevrastenico. Und er gebärdet sich auch entsprechend absonderlich. In diese Rolle schlüpft Martin-Jan Nijhof, den Magdeburgs Musikliebhaber bereits als Leporello und Sarastro erleben konnten. Es mache ihm sehr viel Spaß, diesen Mann darzustellen, der sich so viele Krankheiten einbilde: "Man muss etwas Verrücktes mitbringen. Das ist spannend. Ich bin gern auf der Bühne auch schauspielerisch.", beschreibt Nijhof seinen Part. Rotas Komposition empfindet der Sänger ebenso wie Aron Stiehl als sehr filmisch. Stiehl erklärt das so: "Zum Beispiel bebildert die Musik Schritte wie im Trickfilm oder sie gibt wie im Krimi eine unheimlich und schaurige Atmosphäre vor." Der unterschiedliche Charakter der beiden Stücke bedeutet für den Regisseur Wechselbäder in der Arbeit. "Ich probiere durcheinander, immer so, wie die Sänger können. Bei der ‚Nacht der Ängste’ kann ich mich sozusagen von ‚Gianni Schicchi’, der viel komplizierter ist, erholen."

Die Bühne von Ausstatter Simon Lima Holdsworth überzeugt Stiehl total: "Sie verklammert den Abend ästhetisch. Sie ist flexibel und mobil. Die Technik wird schwitzen, aber wenn es klappt, ist es genial. Simon kommt aus London. Die Tradition des schwarzen englischen Humors ist genau das Richtige für unser Projekt." Das Publikum kann sich also überraschen lassen.