Von Georg Kern

Magdeburg. Einen guten AC/DC-Song müsse man schon nach den ersten drei Sekunden erkennen, hat der Leadguitarist der australischen Rockband, Angus Young, einmal gesagt. Und er scheint Recht zu haben: In Hannover begann das Konzert der Gruppe mit dem messerscharfen Lick des neuen AC/DC-Songs "Rock ’n’ Roll Train". Zwei Akkorde, schnörkellos gespielt – und die Fans jauchzen, weil sie das Lied schon erkannt haben.

Seit Jahrzehnten zählt die Gruppe zu den größten im Musikgeschäft – mit rund 80 000 Besuchern war die Veranstaltung auf dem Hannoveraner Messegelände– eines von vier Zusatzkonzerten in Deutschland im Rahmen der aktuellen Welttournee – restlos ausverkauft. Die Faszination AC/DC ist auch 37 Jahre nach der offiziellen Bandgründung ungebrochen.

Und das gilt offenbar für Jung und Alt, bunt durchmischt ist das Publikum in Hannover. Bärtige Motorradrocker neben gesetzem Bürgertum. Vor dem Konzertareal parken Luxuslimousinen und bunt bemalte Hippiemobile. Viele Eltern haben ihre Kinder mitgebracht, vielleicht, um ihnen die Musik ihrer Jugend näherzubringen und ihnen die bei AC/DC-Konzerten standesgemäß opulente Bühnenshow zu zeigen.

Dabei hat die Band auch diesmal geklotzt. Eine große Lokomotive ragt aus dem Boden der Bühne, als wäre sie gerade aus dem Erdinnern herausgerauscht. Vieles ist Standard bei einem AC/DC-Konzert, etwa die große Glocke, die bei "Hells Bells" von der Decke herabschwebt oder die riesige aufblasbare Gummipuppe bei "Whole lotta Rosie".

Die ohnehin gepresste und kratzige Stimme von Sänger Brian Johnson ist durch die Welttournee zwar hörbar angeschlagen. Abgebrüht und routiniert wirkt die Show jedoch nicht – und das liegt vor allem am Gitarristen Angus Young.

Wie ein Derwisch fegt der mittlerweile 55-Jährige während des Konzerts über die Bühne, eine beeindruckende körperliche Leistung. Young schwitzt und beackert seine Gitarre. Wenn das Publikum die immer wiederkehrenden Versatzstücke der Show auch schätzt, individuell bleibt jedes AC/DC-Konzert vor allem durch den Leadguitaristen. Auch diesmal nimmt sich Young wieder Zeit für reichlich Improvisation: Rund 15 Minuten gehört ihm die Bühne fast allein, als er bei "Let there be rock" ein Solo einlegt.

Als 55-Jähriger immer noch in Schuluniform

Das Treffen der Generationen bei einem AC/DC-Konzert – die Band weiß darum und sie nimmt darauf Rücksicht. Neben Songs vom neuen Album wie "Big Jack" oder "War machine" bietet das Quintett auch Klassiker wie "Back in Black" oder "Highway to hell". "You like that stuff!" (etwa: "Ihr mögt das Zeug!") stellt Sänger Brian Johnson nach dem Klassiker "T.N.T." fest. "Oh yeah!", schallt es aus dem Publikum zurück.

Der Charme von AC/DC liegt auch im Humor der Gruppe. Deren Konzerte gleichen mitunter Zeremonien, etwa weil sich viele Fans wie Angus Young verkleiden – der Sänger tritt in Erinnerung an die Anfänge seiner Band stets in dunkler Schuluniform mit Kappe auf.

Das Publikum scheint am Dienstag denn auch zufrieden. Fast andächtig schieben sich die Besucher nach rund drei Stunden AC/DC-Programm Richtung Ausgang. Mag sein, dass die ein oder andere bekannte Nummer fehlte – da wären etwa "Money Talks" oder "Touch to Much". Doch wieviel darf man erwarten von fünf älteren Herren, die gerade ausgiebig durch die Welt getourt sind? Für viele scheint die Geschichte der Band ohnehin zu Ende zu gehen. "Noch mal ein AC/DC-Konzert erlebt zu haben – das ist schon was", sagt ein Mann mit seinem Sohn an der Hand.

Wer kann schon sagen, wie viele es davon noch geben wird.