Hamburg - Vor dem Sensenmann muss man keine Angst haben, schon gar nicht als kleiner Pandabär. Ganz im Gegenteil: Für sein neues Album verbrüdert sich US-Indie-Künstler Panda Bear gar mit Gevatter Tod, dem "Grim Reaper", höchstpersönlich.

Was dabei herauskommt? Ein höchst psychedelischer Parforceritt, der selbst die erprobtesten Hörgewohnheiten in neue Sphären führt. "Panda Bear Meets The Grim Reaper" heißt das Album.

Indie-Fans kennen Noah Lennox, wie Panda Bear bürgerlich heißt, aus dem Gehege der Avantgarde-Band Animal Collective, die er mit drei Kollegen kurz vor der Jahrtausendwende - damals gerade Anfang 20 - gründete. "Strawberry Jam" (2007) und "Merriweather Post Pavilion" (2009) sind zwei der Werke dieses Tierzirkus, die man unbedingt im Plattenregal stehen haben sollte. Zudem bewegt sich Lennox von Anfang an auch auf Solo-Pfaden: 2007 hat er etwa mit "Person Pitch" eine der meist gelobten Alternative-Platten des Jahres herausgebracht.

Jetzt hat Panda Bear sein fünftes eigenes Werk am Start. Diesmal fanden die Aufnahmen nicht an nur einem Ort statt, sondern dort, wo es Lennox gepackt hat: ob mit seiner Band in Texas oder in der Nähe von Lissabon, wo er seit zehn Jahren mit seiner Familie lebt. "Du kommst nicht nur an neue Orte, sondern entdeckst Dinge über dich selbst, die du ansonsten nicht herausgefunden hättest", sagt er.

"Panda Bear Meets The Grim Reaper" sei, so Lennox, die leichteste seiner bisherigen Platten. "Es ist eher wie ein Comicbuch, also etwas unbeschwerter." Und so ist auch das Video zur Single "Boys Latin" ein Zeichentrickfilm in einer Mischung aus halluzinogenen Farbexplosionen und Manga-Comics, untermalt mit Shangri-La-Mantras und Industrial-Beats.

Lennox will mit seiner Musik das "psychedelische Optimum" herauskitzeln. "Wenn sich alles in ein verrücktes Gemenge vermischt und man nicht mehr sagen kann, was was ist - dann passieren quasi magische Dinge, die mein Ohr und mein Gehirn austricksen", sagt er im Interview des Musikmagazins "Rolling Stone".

Während sein letztes Solo-Album "Tomboy" (2011) ein Ausflug in den surrealen Minimalismus war, klaubt sich Lennox für den Nachfolger Schnipsel aus allen möglichen Musik- und Geräuschecken zusammen. Er bedient sich bei klassischer Musik und Old School Hip-Hop, Tierlauten und alten Seemannsmelodien. So beginnt etwa das atmosphärische "Tropic of Cancer" mit einem Waldhorn-Intro und mündet nach einem Synthie-Brummen ins Harfenspiel aus Tschaikowskys "Nussknacker". Im hitverdächtigen "Mr. Noah" heißt es einmal ganz exemplarisch für das Album: "Soviel zur zuverlässigsten Atmosphäre: Sie ist entsorgt."

Die Samples auf "Panda Bear Meets The Grim Reaper" sind, so Lennox, eher für Live-Auftritte entworfen als für Studioaufnahmen. Seine Bühnenshow werde farbenfroh, aber zugleich auch düster. "Ganz schön Science Fiction." Das einzige Deutschland-Konzert findet Mitte März im Berliner Techno-Kraftwerk Berghain statt.

Dort könnte man dann Zeuge einer großen Metamorphose werden, die Panda Bear nach eigenen Worten durchläuft. Gevatter Tod steht für ihn nämlich nicht für das Sterben, sondern für Dynamik. "Dem Sensenmann in diesem Sinne zu begegnen, mag ich viel mehr." Er sei dann nicht zwangsläufig mit dem endgültigen Tod verbunden, sondern eher mit dem Ende einer Sache - und damit, so hofft Lennox, mit dem Anfang von etwas anderem.