Berlin - Es ist wohl die Sehnsucht nach dem Authentischen, dem vermeintlich echten Gefühl, die uns immer wieder zurück zum Soul bringt. "Looking for something real", diese Suche ist gar nicht so einfach inmitten der Retrowelle, die wir seit Jahren erleben.

Mit Nostalgie hat Curtis Harding so gar nichts am Hut, der Mann steht ganz im Hier und Jetzt, wie sein hörenswertes Debütalbum "Soul Power" (Anti) eindrucksvoll beweist. Darauf erfindet der in Michigan geborene Sänger Soul und R&B nicht neu, aber seine Songs haben diese gewisse Etwas an Glaubwürdigkeit, das den vielen Epigonen meist abgeht.

Es ist zunächst vor allem Hardings gefühlvolle, wandelbare Stimme, die den Hörer sofort einnimmt. Seine Lehrjahre hat er als Backgroundsänger für den Rapper Cee-Lo Green absolviert, aber das Talent hat er wohl von seiner Mutter, einer Gospelsängerin. "Gospel ist inspirierend", sagt Harding, "aus Elend und Bedrängnis formt man etwas Schönes". Dazu passt dann sein wunderbarer Refrain, der einem nicht mehr aus den Ohren geht: "I could finally see the Light". Diese Songs sind stark, selbstbewusst, eingängig, ohne anbiedernd zu sein, und kleben nicht sklavisch am Soul-Idiom.

Treibender Garagenrock ist für diesen Sänger kein Tabu, wie man an Tracks wie "I Don\'t wanna go Home" oder "Drive my Car" gut hören kann. Harding hat sein Album nicht überinstrumentiert, meistens dominieren E-Gitarren, und so kann gar keine streicherselige Nostalgie aufkommen.

Seit einiger Zeit schon ist Curtis Harding erfolgreich auf Tour, mit Jack White von den White Stripes war er unterwegs, und nach dem Debütalbum natürlich auch solo. Diese "Soul Power" muss man einfach live erleben.

Tourdaten: 01.03. Dresden, Beatpol; 02.03.: Berlin, Lido; 03.03. Hamburg, Mojo Club; 04.03. Frankfurt, Zoom