Hamburg - Auf ihrem neuen Album gibt es Bette Midler hoch drei. Als eine Art Eine-Frau-Girlband lächelt die Hollywood-Diva gleich dreifach vom Titel ihrer jüngsten Platte.

In den USA war "It\'s The Girls" bereits im vergangenen Herbst auf Platz drei der Charts geklettert. Darauf versammelt die strohblonde 69-Jährige Songs von Frauenbands aus sieben Jahrzehnten - vom harmonischen 30er- und 40er-Swing über 60er-Motown bis hin zu 90er-Pop.

Die Musik von Girlbands zu hören, sei bereits in ihrer Kindheit etwas Besonderes gewesen, sagt Midler dem US-Musikmagazin "Billboard". "Die Idee, Teil der Gruppe zu werden, hat mich gefesselt. Du singst nicht nur mit, du hast das Gefühl, als seist du tatsächlich dabei." Auf "It\'s The Girls" hat Midler alle Songs mehrstimmig eingesungen.

Bei ihrem ersten Album seit mehr als acht Jahren überlässt die "göttliche Miss M" - wie sie seit ihrem Debüt 1972 genannt wird - nichts dem Zufall. "Jeder Song hat eine Bedeutung für mich", sagte sie im US-Radio. Zum Beispiel das titelgebende Stück "It\'s The Girl" der Boswell Sisters. "Ich war sehr, sehr jung, vielleicht fünf oder sechs, aber der Sound hat mich damals schon fasziniert."

Oder der Klassiker "Bei mir bist du schön" der Andrew Sisters. "Das Lied hat mir mein Vater immer vorgesungen." Trotz mehr als 40 Jahren im Showgeschäft schüttelt Midler noch eine Menge Überraschungen aus dem Ärmel: "You Can\'t Hurry Love" (The Supremes) interpretiert sie als Country-Upbeat-Version. "Ich wollte einige sehr populäre Songs neu arrangieren und ihnen einen frischen Dreh geben", sagt sie. Und beim wirklich witzigen "Give Him A Great Big Kiss" (The Shangri-Las) denkt man unweigerlich an Petticoats, Haartollen und "Grease".

Die meisten Songs auf der Platte stammen aus den 60er Jahren, der goldenen Ära der US-Girlbands. Titel wie "Be My Baby" (The Ronettes), "Will You Still Love Me Tomorrow" (The Shirelles) oder das luftig-temporeiche "Tell Him" (The Exciters) sind bereits von Haus aus so gut - da hat Midler nur ihre kleine eigene Note dazugesetzt.

Richtig phänomenal jedoch ist der R&B-Hit "Waterfalls" der US-Girlband TLC. Der 90er-Meilenstein über Bandenkriminalität und Aids habe ihr damals das Herz gebrochen, sagt Midler. "Ich nahm an, dass ich niemals den Mut aufbringen würde, das Lied zu singen." Dann aber sei die Idee zur jetzigen Version entstanden. "Ich bin so froh, die Chance genutzt zu haben."

Wenn in der weit zurückgenommenen Piano-Version der Refrain "Don\'t go chasing waterfalls" beginnt, klingt Midler in ihrer Verletzlichkeit wie eine, die nichts mehr beweisen muss. Sowieso: "It\'s The Girls" ist das vollkommen unprätentiöse Album einer legendären Diva.