Berlin - Bisher waren die Alben von Liam Hayes und seiner Indiepop-Band Plush in Deutschland nur schwer erhältlich. Seine neue Platte wird auch hierzulande mit größerem Aufwand gepuscht. Leider ist es ein sperriges und eher schwächeres Werk.

Denn dieser mit einer Stimme zwischen David Bowie und Marc Bolan gesegnete US-Songwriter kann mehr, als er auf "Slurrup" (Fat Possum/Pias/Rough Trade) zeigt. Etwas unentschlossen pendeln die 13 Songs zwischen Powerpop im Sixties-Gewand, Edelballaden à la Zombies oder Beatles (das eigentliche Spielfeld von Liam Hayes) und halbgaren Experimenten oder Albernheiten wie "Channel 44".

Zu was der seit gut 20 Jahren "unter dem Radar" im US-Indiepop aktive Multiinstrumentalist und Arrangeur fähig ist, beweist er auf "Slurrup" immerhin doch einige Male - mit üppigen Liedern wie "Nothing Wrong" oder "Get It Right", mit der Country-Schmonzette "Greenfield" oder der schönen Schnulze "August Fourteen". Auch der Hidden-Track "Fight Magic With Magic" weiß zu gefallen, doch auch hier kann sich Hayes am Ende irritierende Schlürfgeräusch-Samples nicht verkneifen.

Ein seltsamer Rausschmeißer für eine seltsame Platte. Dabei hatte Hayes im Vorjahr mit "Korp Sole Roller" ein tolles orchestrales Pop-Album vorgelegt, das freilich nur als Download oder als sauteurer Japan-Import erhältlich war. Und kurz davor hatte der Mann aus Chicago die wunderbare Musik zum Film "A Glimpse Inside The Mind Of Charles Swan III" beigesteuert, in dem er neben Schauspielern wie Bill Murray, Patricia Arquette oder Charlie Sheen sich selbst spielte - als Mann am Klavier.

Es lohnt sich also, nach älteren Alben von Liam Hayes Ausschau zu halten - auch "Fed" (2002) und "Bright Penny" (2009) lohnen die Anschaffung. "Slurrup" - das auch noch mit einem unansehnlichen Cartoon-Albumcover verunziert wurde - soll den internationalen Durchbruch bringen, ist dafür aber wohl nicht gut genug. Zumindest kann man dem begabten Melodienerfinder Hayes nicht unterstellen, dass er für eine Pop-Karriere im mittleren Alter den bequemen Weg sucht. Und das wiederum nötigt Respekt ab.